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LinuxUser LinuxCommunity EasyLinux Linux-Magazin International
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Erschienen in LinuxUser 00/2000

Multimedial

Bunt, laut und bewegt

von Christian Perle

[ Multimedia ]


Jeder spricht von Multimedia, auch wenn keiner so genau weiß, was das eigentlich ist. Wie dem auch sei: Linux verschließt sich den Zeichen der Zeit nicht und zeichnet sich gegenüber anderen Unix-Betriebssystemen durch eine wachsende Unterstützung für alles aus, was bunt, bewegt und laut -- kurz Multimedia -- ist. Ein paar ausgewählte Tools werden hier vorgestellt.

Wenn eines Tages die Fernseher, Videorecorder, Radios und Stereoanlagen abgeschafft sind, sollten die (bis dahin hoffentlich alle unter Linux laufenden) Rechner natürlich einen gebührenden Ersatz schaffen. Nachdem die direkte Hardwareunterstützung, etwa für TV-Karten unter Linux inzwischen offizieller Bestandteil der Kernelsourcen geworden ist, sollte auch die passende Software zum Erzeugen, Bearbeiten, Abspielen und Anzeigen von bewegten und statischen Bildern, Grafiken und Tönen vorhanden sein.


Kernelsourcen: Die C-Quelltexte und die "Bauanleitung" für den C-Compiler, um den Linuxkern neu zu übersetzen.

Die Auswahl ist schon heute groß. Neben Klassikern wie xv oder ImageMagick gibt es vielversprechende Neuentwicklungen wie Blender oder Portierungen wie MainActor. Vielleicht werden Sie bald selbst kreativ?


Portierung: Das Umsetzen eines bereits lauffähigen Programms von einem Betriebssystem auf ein anderes.

Farbenfroh

Die Pinselkünstlern unter den Linuxbenutzern werden an den folgenden Programmen Gefallen finden: Bilderstellung und -bearbeitung sind hier das Thema. Denn auch orthodoxe Kommandozeilenbenutzer müssen hin und wieder zugeben: Das Auge tippt mit.

GIMP

[ GIMP ]

Abb. 1: Hinter diesem unscheinbaren Menü steckt die geballte Kraft des GIMP

Der Name, "GNU Image Manipulation Program", ist Programm: Hier kommt ein riesiger Werkzeugkasten zur Bildbearbeitung. Sämtliche gängigen Bildformate können eingelesen werden, außerdem sind Konvertierungen in andere Formate problemlos möglich. Wer darüber hinaus selbst Bilder erstellen möchte, hat eine Vielzahl von Werkzeugen zur Auswahl: ein Textwerkzeug mit vielen Schriften, Pinsel, Buntstift und Pipette. Dazu kommen mehrere Filter und die gängigen Effekte, wie z.B. Drehen und Spiegeln, Ausschneiden und Verschieben, Aufhellen und Kontraste. Eine tolle Sache sind die mitgelieferten Skripte. Damit lassen sich leicht effektvolle Buttons oder dreidimensionale Schriftzüge erstellen. Mit Unterstützung von SANE (http://www.mostang.com/sane/) kann man aus GIMP heraus auch Vorlagen einscannen.

Das Menü wirkt auf den ersten Blick etwas spartanisch, ist aber mit der Maus gut zu bedienen (wenn man auch manchmal etwas suchen muss). Wer eine ausführlichere Anleitung haben möchte, findet diese unter ftp://manual.gimp.org/pub/manual/ in verschiedenen Formaten. Die meisten Distributionen liefern GIMP direkt mit, anderenfalls steht es zum Download bereit unter http://www.gimp.org/.

Heike Jurzik

Image Magick

Das ImageMagick-Paket beinhaltet Werkzeuge zur interaktiven, grafischen Bearbeitung und Anzeige von Bildern nahezu aller Formate auf Rechnern mit X-Servern. Darüber hinaus bietet es Kommandozeilenprogramme, die Bilder in vielfältiger Weise beeinflussen oder konvertieren. Zu bekommen ist ImageMagick von ftp://ftp.wizards.dupont.com/pub/ImageMagick/ oder als Paket für die Distribution ihrer Wahl.


X-Server: Grundlage des X-Window-Systems, stellt die Grafik auf der Grafikkarte dar. Windowmanager, KDE oder GNOME basieren auf dem X-Window-System.

[display]

Abb. 2: Die grafische Oberfläche von display

ImageMagick besteht aus folgenden Programmen:


Maskenbilder: Stellen in einer separaten (Graustufen-)Bilddatei die Transparenzinformation zur Verfügung. Schwarz ist durchsichtig, Weiß nicht.
Transparenzinformation: Definiert durchsichtige Stellen im Bild, hier scheint der Hintergrund durch. Am bekanntesten durch transparente GIFs im WWW.

Ein Beispiel für den Aufruf der Programme (soweit sinnvoll, verstehen alle Programme die Parameter im folgenden Einzeiler):

mogrify -blur 10 -geometry "640x480>" -pen yellow -draw 'text 300,460 "%f Copyright 1999 by Carsten Wartmann"' -format jpeg /tmp/*.tga
    
Dieser Aufruf wendet einen Unschärfefilter an (-blur 10) und skaliert (-geometry) auf 640x480 Pixel, wenn die Bilder größer (>) sind. -pen fügt einen gelben (yellow) Copyrightvermerk mit dem Bildnamen der gerade bearbeiteten Datei (%f) ein. Das alles passiert in allen auf .tga endenden Dateien im /tmp-Verzeichnis, die mit den Veränderungen als JPEG gespeichert werden.

Mit ImageMagick erhalten Sie eine Werkzeugpalette, die sehr leistungsfähig ist. Die besonderen Stärken liegen in der Bearbeitung von ganzen Verzeichnissen mit Bildern. Aber auch die interaktiven Möglichkeiten bieten sich immer dann an, wenn GIMP gerade mal nicht geladen ist.

Carsten Wartmann

tgif

tgif ist ein ausgereiftes Vektorgrafikprogramm und hat nur dem Namen nach etwas mit dem Pixelbildformat GIF zu tun. Alles Wissenswerte zum Programm erfahren Sie unter der Adresse http://bourbon.cs.umd.edu:8001/tgif/.

[tgif]

Abb. 3: Die Oberfläche von tgif

Abbildung 3 zeigt tgif in Aktion mit einem der "abreißbaren" Menüs und einem Dialog, mit dem Objekteigenschaften kopiert werden. tgif ist schnell und kann auch Pixelgrafiken in die Zeichnungen integrieren. Die guten Rastereinstellungen und Möglichkeiten zum maßhaltigen Zeichnen plazieren tgif zwischen einem reinen Illustrations- und einem CAD-Programm.

Neben den üblichen und reichlich vorhandenen Möglichkeiten, Vektorgrafiken zu erstellen, bietet tgif auch noch weitere Möglichkeiten wie die Erstellung von interaktiven Zeichnungen, die auch über das Internet benutzt werden können. Dies kann mit folgendem Befehl ausprobiert werden:

tgif http://bourbon.cs.umd.edu:8001/tgif/index.obj
    
Durch die Möglichkeit, interne Befehle von tgif aufzurufen, ist eine Zeichnung geradezu programmierbar.

tgif druckt die Grafiken als PostScript oder gibt sie als EPS (für die Einbindung in LaTeX), EPSI, GIF, HTML, PDF oder XMB/XPM aus. Mit der HTML-Ausgabe können mit tgif auch Imagemaps erstellt werden.


Imagemaps: Anklickbare Bereiche in Bildern auf Web-Seiten.

Carsten Wartmann

Xfig

Xfig

Abb. 4: Xfig interaktiv

Sie möchten auf die Schnelle eine Grafik erstellen, die Sie auch noch problemlos in LaTeX einbinden können? Ein paar Striche einer vorhandenen Grafik ersetzen? Dann ist Xfig das Programm der Wahl. Ein paar Linien ziehen, eine Box mit Text zeichnen, eine Grafik verändern -- alles kein Problem. Nach dem Abspeichern können die Bilder exportiert werden, alle gängigen Formate und PostScript sind möglich. Xfig wird über ein Menü gesteuert, Punkte von Linien verankert man mit der mittleren Maustaste.

Wer Lesestoff zu Xfig sucht, wird in der äußerst ausführlichen Manpage fündig, und auch das README ist sehr zu empfehlen. Sollte das Programm partout nicht bei Ihrer Distribution zu finden sein, können Sie es unter ftp://ftp.tex.ac.uk/pub/archive/graphics/ downloaden.

Heike Jurzik

Schnappschüsse und Bilderschau

In vielen Fällen will man nur Bilder betrachten und nicht bearbeiten. Für solche Zwecke gimp einzusetzen, hieße, mit Kanonen auf Spatzen zu schießen. Auch das Anfertigen von Screenshots muss nicht unbedingt mit einem großen Bildbearbeitungsprogramm erfolgen.

Ksnapshot

Wunderbar einfach aufzunehmende Screenshots einzelner Fenster oder des gesamten Desktops ermöglicht ksnapshot. Wer das KDE-Grafik-Paket installiert hat, findet die virtuelle Pocket-Kamera schon auf der heimischen Festplatte, alle anderen können es sich unter ftp://ftp.kde.org/pub/kde/stable/1.1.2/apps/graphics/ksnapshot-0.2.7.tar.gz als einzelnes Paket herunterladen. Möchte man das Programm außerhalb der KDE-Welt benutzen, muss zumindest das KDE-Libs-Paket installiert sein.

Die Bedienung ist denkbar einfach. Per Mausklick lässt sich auswählen, ob man nur einen Screenshot des aktuellen Fensters (also das mit dem Cursor) oder der ganzen Bildschirm-Oberfläche aufnehmen möchte. Klickt man das entsprechende Feld an, so verzieht sich das Ksnapshot-Fenster bescheiden in den Hintergrund. Vor dem endgültigen Abspeichern lässt sich im Pulldown-Menü des Hauptfensters noch auswählen, in welchem Grafik-Format das Bildchen denn letztlich gespeichert werden soll.

Achtung: Obwohl im Auswahl-Menü das JPEG-Format zur Verfügung steht, lassen sich mit der aktuellen Version leider noch keine Bilder in diesem Format abspeichern. Wer also auf JPEGs angewiesen ist, muss entweder mit einem Zusatz-Programmm die Screenshots konvertieren oder ganz auf Ksnapshot verzichten.

Ksnapshot in Aktion

Abb. 5: Bitte recht freundlich -- Ksnapshot

Stefanie Teufel

xv

xv kann vieles -- zuerst allerdings ist es ein Anzeigeprogramm für Bilder verschiedenster Formate (http://www.trilon.com/xv/). Wird es unter Angabe von Dateinamen gestartet, so zeigt xv das erste Bild, nach einem Druck auf die Leertaste das zweite usw. Ein Mausklick mit der rechten Maustaste ruft die grafische Benutzerschnittstelle auf den Plan.

Für die Kommandozeile bringt xv eine riesige Zahl Parameter mit, zum Glück ist die Dokumentation (100 Seiten PostScript, online unter http://www.trilon.com/xv/manual/xv-3.10a/cover.html) genauso umfangreich. So findet man recht schnell heraus, wie man z.B. eine "Dia-Show" in voller Bildschirmgröße macht. Die Parameter-Fülle lässt auch schon erahnen, dass in xv mehr steckt.

[ xv ]

Abb. 6: Das "Schaltpult" von xv

Wird xv ohne Parameter aufgerufen, so erscheint das Eingangsfenster und mit einem Klick auf die rechte Maustaste die GUI (Abbildung 6). Hier können die Bilder interaktiv bearbeitet werden: beschneiden, spiegeln, mit Textanmerkungen versehen, auf acht Bit umrechnen, mit dem Farbeditor Farbpaletten, Gammawert etc. einstellen, die Bildgröße ändern und Filter wie Unschärfe, Schärfe, Öl, Störungen entfernen etc. anwenden.


GUI: "Graphical User Interface", grafische Benutzeroberfläche
Paletten: Zusammenstellung von Farben für ein Bild
Gammawert: Kombinierter Wert aus Kontrast und Helligkeit

Ein Glanzlicht von xv ist der "Visual Schnauzer", ein Directorybrowser mit Vorschaubildern, in dem bequem Verzeichnisse mit Bildern organisiert und betrachtet werden können. Öffnet man zwei "Schnauzer" aus einem xv, so können Dateien per Drag&Drop zwischen den Fenstern verschoben werden.

Carsten Wartmann

Künstliche Welten

Seit es grafikfähige Rechner gibt, strahlen künstlich erzeugte dreidimensionale Darstellungen eine bleibende Faszination aus. Hier geht es also nicht ums Malen, sondern ums rechnerische Erzeugen von Bildern.

Blender

Blender ist ein komplettes 3D-Design- und Animationsprogramm, bei dem vom Modellieren bis zum Schneiden der Animationen alles möglich ist. Die gesamte Funktionalität steckt in einem einzigen, ziemlich genau zwei MByte großen Programmfile. Weiterhin wird Mesa benötigt, da Blender komplett auf Mesa bzw. OpenGL aufbaut.


OpenGL: Programmbibliothek, mit der schnelle interaktive 3D-Grafikanwendungen erstellt werden können.
Mesa: Freie OpenGL-kompatible Bibliothek.

[ Blender ]

Abb. 7: Blender mit geladener Szene

Einige Highlights von Blender (eine komplette Liste würde den Rahmen sprengen):


NURBS, Beziers: Kurventypen zur Erstellung von organischen Objekten, aber auch von Fonts, Logos etc.
Metaballs: Objekte, die sich wie Flüssigkeiten in der Schwerelosigkeit verhalten.
IK: "Inverse Kinematik", Erstellung von Gelenksystemen (z.B. einem Roboterarm). Die Animation erfolgt dann durch Bewegen der "Hand", der Rest des Gelenksystems folgt entsprechend. Mit dem Skelettsystem können auch Körper verformt werden (Charakteranimation).
Lattices: Gitter, mit denen Objekte verformt werden können.
Scanlinerendering: Schnelles Verfahren, um Bilder aus 3D-Szenenbeschreibungen zu berechnen.
Inventor/VRML1: "Virtual Reality Modeling Language" zur Erzeugung von 3D-Anwendungen im Netz, aus Inventor (von SGI) hervorgegangen.
DXF: Standard-Austauschformat für CAD("Computer Aided Design")-Programme, ursprünglich von Autodesk eingeführt.

Blender bietet extrem viele Möglichkeiten für einen kreativen Geist. Allerdings müssen Sie zunächst einige Einstiegshürden überwinden: In welchem Programm selektiert man beispielsweise mit der rechten(!) Maustaste? Sind die drei bis vier Hürden des Anfangs erst einmal überwunden, so präsentiert sich Blender als durchdachtes Programm, das die Arbeit für Anfänger und Profis zum Vergnügen macht.

Der "Free Blender" ist von ftp://ftp.blender.nl/pub/ erhältlich, "Complete Blender" mit vielen weiteren Fähigkeiten (u.a. Python als Skriptsprache!) kostet 95 Euro, ein 300-seitiges Handbuch ist für 40 Euro ebenfalls bei http://www.blender.nl/ erhältlich. Der freie Blender ist für fast alle Animationsaufgaben bestens gerüstet und darf uneingeschränkt auch für kommerzielle Arbeiten verwendet werden.

Carsten Wartmann

Povfront

Wem das Aufrufen von POV-Ray über die Kommandozeile zu schwierig oder umständlich ist, den wird dieses gtk-basierte Frontend sicherlich freuen. Sämtliche Einstellungen können mit der Maus vorgenommen werden. Ein grafisches Modellierungstool ist Povfront jedoch nicht. Hier müsste man auf Blender oder 3dPM (http://rupert.informatik.uni-stuttgart.de/~kraftts/) ausweichen. Povfront ist auf http://perso.club-internet.fr/clovis1/ erhältlich.


POV-Ray: Frei kopierbarer Raytracer (3D-Berechnungsprogramm) der Spitzenklasse (http://www.povray.org/).
gtk: Das "GIMP Toolkit", eine Library, die das Erstellen von Menüs und Dialogboxen unter X11 erleichtert. Diese Library wurde zunächst für das Grafikprogramm GIMP geschrieben, ist aber inzwischen Grundlage für viele andere Programme.
Frontend: Ein Programm, das nur als Aufsatz für ein anderes Programm dient, um dessen Bedienung zu vereinfachen.
Library: Eine Datei, die eine Sammlung von nützlichen C-Funktionen für einen bestimmte Zwecke enthält. So gibt es etwa die libm, die mathematische Funktionen bereitstellt, oder die libXt, die Funktionen zur Programmierung des X11-Fenstersystems enthält. Oft werden Libraries von mehreren Programmen gemeinsam ("shared") genutzt.

[ Povfront ]

Abb. 8: Povfront

Christian Perle

Bewegte Bilder

Um den künstlich erzeugten Bildern das Laufen beizubringen, braucht Blender zwar keine externe Hilfe, aber für POV-Ray ist solche Hilfe willkommen. Und allein das Erzeugen einer Animation macht natürlich noch nicht glücklich, sie soll auch abgespielt werden.

MPEG-Werkzeuge

Die MPEG-Werkzeuge von der University of California in Berkeley (ucbmpeg) sind eine Referenzimplementation der MPEG-I-Standards. Sie stehen unter der Public-Domain-Lizenz, sind also für jeden völlig frei benutzbar und unter ftp://mm-ftp.cs.berkeley.edu/pub/multimedia/mpeg/bmt1r1.tar.gz zu bekommen. Speziell für Debian existieren sehr gut zusammengestellte Pakete mit Dokumentation und Beispielen.


MPEG: "Moving Pictures Expert Group", Expertengremium, das ein sehr gut komprimierendes Animationsformat entwickelt hat.
MPEG-I: MPEG-Standard Eins, beschreibt die Komprimierung von Videodaten. Weitere Standards sind z.B. MPEG-I Layer 3 zur Audiokompression ("MP3").

[ mgep_play ]

Abb. 9: mpeg_play in Aktion

Das Programm mpeg_play ist eine reine Softwarelösung zum Abspielen von MPEG-I-Animationen. Aufgerufen wird es mit der Angabe eines Dateinamens:

mpeg_play Torpedo.mpg 
Dieser Befehl spielt die MPEG-Datei Torpedo.mpg ab. Dabei erscheint eine Steuerkonsole, in der wie bei einem Videorecorder die Animation gesteuert werden kann (Abbildung 9). Werden mehrere Dateinamen angegeben, so spielt mpeg_play die Dateien gleichzeitig(!) ab.

Mit mpeg_encode können MPEG-I-Dateien aus Einzelbildern erzeugt werden. Dies ist ein sehr rechenintensiver Vorgang, führt aber zu sehr kleinen Dateien. mpeg_encode bietet eine Vielzahl an Einflussmöglichkeiten. Eine einfache (und für 99% der Fälle ausreichende) Steuerdatei sieht wie folgt aus:

# Torpedo

# nötig, muss aber nicht verstanden werden
PATTERN		IBBPBBPBBPBBPBB
IQSCALE		8
PQSCALE		10
BQSCALE		25
PIXEL		HALF
RANGE		10
PSEARCH_ALG	LOGARITHMIC
BSEARCH_ALG	CROSS2
REFERENCE_FRAME	DECODED
GOP_SIZE	30			
SLICES_PER_FRAME	1


# ab hier für den Benutzer wichtig
# Ausgabename
OUTPUT		Torpedo.mpg

# Bilder liegen als JPEG vor
# BASE_FILE_FORMAT	JPEG
# oder z.B. als PPM
BASE_FILE_FORMAT	PPM

# Platz, um externe Programme als Filter zu benutzen
# Hier: kein Filter
INPUT_CONVERT	*			
# Filter für TGA-nach-PPM-Konvertierung:
INPUT_CONVERT	tgatoppm *

# Verzeichnis der Bilder
# Hier: das jeweils aktuelle
INPUT_DIR	.

# Alle Bilder Torpedo.0001 bis Torpedo.0400
INPUT
Torpedo.*	[0001-0400]
END_INPUT
Jetzt wird mpeg_encode mit dem Namen dieser Parameterdatei aufgerufen:
mpeg_encode mpeg.param 
[··· viel Ausgabe ···]
... und wir können je nach Rechnergeschwindigkeit bald eine erste eigene MPEG-Animation mit mpeg_play bewundern.

Carsten Wartmann

MainActor

Abspielprogramme für Animationen unter Linux gibt es einige, allein die Erstellung solcher Animationen erfordert immer noch Kenntnisse der Kommandozeile und der einzelnen Animationsformate. In diese Lücke zielt MainActor ( http://www.mainconcept.de/) von Mainconcept. Für Linux ist die Version 2.x aktuell, auf Windows und OS/2 steht die Versionsnummer bei 3.x. Eine Sharewareversion ist von obiger Adresse ladbar, der Freischaltschlüssel, ohne den ein Copyrightvermerk in die Animationen gestanzt wird, ist für 99 DM (Version 2.x) bei Mainconcept erhältlich. Dieser Schlüssel gilt für alle Plattformen.

[ MainActor ]

Abb. 10: MainActor in Aktion

In Abbildung 10 ist MainActor mit einigen Dialogen bei der Generierung einer MPEG-Datei zu sehen. Neben dem Programm MainActor, welches die Animationskonvertierung übernimmt, liegt noch MainView, ein Abspieler für die unterstützten Formate, im Paket. Die Programme sind gegen libc5 gelinkt, also benötigt man bei einem glibc-System die libc5-Kompatibilitätspakete.


libc: Die wichtigste Programmbibliothek für unixähnliche Betriebsysteme. Aktuelle Distributionen bauen auf glibc (alias libc6) auf. Um Programme für die ältere libc5 ausführen zu können, müssen Kompatibilitätspakete installiert werden.

Der große Unterschied zwischen der Windows- und Linuxversion ist das Fehlen des Sequencers bei der Linuxversion. Der Sequencer ist ein Videoschnittprogramm, mit dem auch eine Nachvertonung der Animationen vorgenommen werden kann. Mit MainActor allein ist eine Verarbeitung von Animationen mit Sound möglich, allerdings können Animationen nicht mit Sounds versehen werden.

Leider unterstützt MainActor beim Speichern von Animationen nicht die allerneuesten Komprimierungsarten für die AVI- und Quicktime-Formate. Dies hat wohl lizenzrechtliche Gründe, allerdings wird MPEG-I und MPEG-II von MainActor gut unterstützt. Die Stabilität ist überzeugend, auch ein 650 MByte großes AVI wurde problemlos in MPEG-I konvertiert.


MPEG-II: MPEG-Standard Zwei, erweiterter Standard für höhere Auflösungen, mehr Tonspuren etc. Das Basisformat für die DVD ("Digital Versatile Disc").

MainActor ist ein interessantes Produkt, mit dem MainConcept die Chance erhält, einen neuen Meilenstein der kommerziellen Software für Linux zu setzen. Ich kann MainActor im Moment jedem empfehlen, der entweder auf Linux und Windowsplattformen arbeiten will oder muss, oder genau die Fähigkeiten benötigt, die MainActor für Linux im Moment bietet. Wenn MainConcept die Probleme mit den fehlenden Codecs löst und der Sequencer für Linux erscheint, wird MainActor ein Produkt für nahezu jeden Fall.


Codecs: Komprimierungsverfahren für Quicktime- oder AVI-Videos. Beispiele sind Indeo oder Sorensen, aber auch Microsoft Video.

Carsten Wartmann

Was auf die Ohren

Nach so vielen visuellen Eindrücken fehlt uns zu unserem Multimediaglück noch der passende Soundtrack. Den liefern die im folgenden Abschnitt besprochenen Programme.

Gmixer

Wie gar nicht so wenige Programme in dieser Übersicht basiert auch der Gmixer auf dem GIMP-Toolkit gtk. Dieses Tool sorgt für die diversen Lautstärkeeinstellungen auf der Soundkarte und ist in gewisser Weise seinem Windows-Pendant nachempfunden. Gmixer finden Sie unter http://junior.technion.ac.il/~sergey/linux.html.

[ gmixer ]

Abb. 11: gmixer

Christian Perle

TiMidity

Besitzer einer Soundkarte ohne Wavetable- und General-MIDI-Funktion werden dieses Programm schätzen. TiMidity ist ein reiner Software-MIDI-Player, der seine Instrumente in eigenen Soundsample-Dateien mitbringt und in Echtzeit zusammenmischt. So wird selbst eine alte Soundblaster Pro auf dem Softwareweg zu einer recht brauchbaren MIDI-Karte. Die Adresse der timidity-Homepage lautet http://www.goice.co.jp/member/mo/timidity/.


MIDI: "Musical Instruments Digital Interface", ein Standard zur Steuerung elektronischer Musikinstrumente.
Soundsample: Digitalisierte Geräusche, z.B. eine Gitarrensaite, eine Snaredrum, Bass, etc.

[ TiMIDIty ]

Abb. 12: TiMIDIty

Christian Perle

XfreeCD

Auch der CD-Player XfreeCD ist ein Vertreter der gtk-Familie. Dieses Programm ist klein (sowohl auf die Dateigröße, als auch auf den Platzbedarf auf dem Desktop bezogen) und befragt zudem die CDDB nach weiteren CD-Daten wie Titel und Interpret. XfreeCD kann man unter der Adresse ftp://ftp.datacomm.ch/.3/linuxberg/files/x11/media/xfreecd-0.7.8.tar.gz herunterladen.


CDDB: Eine umfangreiche CD-Datenbank im Internet, die jeweils die Interpreten und Songtitel zu einer CD bereitstellt.

[ XfreeCD ]

Abb. 13: XfreeCD

Christian Perle

WorkBone

Mein Rechner ist nicht der schnellste, weshalb es ärgerlich ist, wenn ich nur zum CD-Hören die grafische Oberfläche starten soll. Eine gute Möglichkeit, dies zu umgehen ist WorkBone, ein komplett kommandozeilengesteuerter CD-Player. Im Prinzip ist er selbsterklärend; das Einzige, was man wissen muss, ist, dass seine Bedienung über den Nummernblock geschieht, und dieser daher eingeschaltet werden muss.

Seine Bedienelemente symbolisieren den Nummernblock. So spielt z.B. die 9 die CD ab, die 6 "spult" ein Lied vor, die 2 öffnet das CD-Fach und beendet WorkBone.

Beheimatet und in der aktuellen Version erhältlich ist WorkBone bei ftp://ftp.croftj.net/usr/bero/WorkBone/.

[ workbone ]

Abb. 14: CD-Player müssen nicht bunt sein

Sibylle Nägle

Krabber

MP3s sind derzeit in aller Munde, doch zu Hause warten wieder nur dieselben tristen Audio-CDs darauf, mangels CD-Wechsler am Stück abgedudelt zu werden? Wer dieses Horror-Szenario vor Augen hat, wird sich über Krabber (die neueste Version findet sich unter http://members.tripod.com/~fehlfarben/) freuen, ein Tool, mit dem sich Audio-Tracks und WAV-Dateien quasi im Vorbeigehen ins MP3-Format umwandeln lassen.


MP3: Eigentlich "MPEG 1 Audio Layer 3". Ein Verfahren, das Audiodaten in CD-Qualität ohne nennenswerte Verluste auf ca. ein Elftel der Ausgangsgröße reduziert.

Wer über einen Brenner verfügt, kann in den neuesten Versionen gleich noch eine wundervolle MP3-CD erstellen.

Um in den vollen Funktionsgenuß zu kommen, muss neben dem KDE-Libs-Paket allerdings noch das eine oder andere Programm auf dem Rechner installiert sein -- zumindest cdparanoia zum "Grabben" sowie 8hz-mp3, bladeenc, l3enc, mp3enc, lame oder encoder zum "Encoden" der Stücke. Sollen CDs gebrannt werden, muss auch cdrecord vorhanden sein. Wer sich nicht sicher ist, wo er all diese Herrlichkeiten herkriegt: Ein Blick in die Online-Hilfe von Krabber verrät die Download-Plätzchen der benötigten Programme.

Bevor es ans süße Grabben und Encoden geht, sollte man mit einem beherzten

chown root.root cdparanoia 
chmod 6777 cdparanoia 
sicherstellen, dass das Programm Zugriff auf die benötigten Geräte erhält.


chown: Mit dem Kommando chown können Sie den Besitzer einer Datei wechseln. Diese Aktion ist nicht jedem, sondern nur dem Superuser root erlaubt.
chmod: Während chown sich um die Besitzverhältnisse Ihrer Dateien kümmert, bestimmen Sie mit dem Kommando chmod die Zugriffsrechte Ihrer Dateien.

[ Krabber ]

Abb. 15: Grabben für den Hausgebrauch

Stefanie Teufel

Xmms

Natürlich darf nun der obligatorische MP3-Player nicht fehlen. Bei xmms handelt es sich um den Nachfolger von x11amp, das wiederum dem populären Windowsprogramm winamp nachempfunden ist. Auch dieses Programm verwendet die populäre gtk-Library, wobei hierfür mindestens gtk-1.2.0 vorliegen muss. Ein sehr schöne Funktion, die vom Windows-Vorbild übernommen wurde, ist das Auswechseln das grafischen Outfits mittels Skins. Xmms gibt es auf http://www.xmms.org/.


Skin: Eine Sammlung von Bilddateien im BMP-Format, die das Aussehen des MP3-Players bestimmt.

[ xmms ]

Abb. 16: xmms

Christian Perle

Kover

Da hat man nun eine wunderbare CD mit all den schönen, neuen MP3s gebrannt, aber irgendwie sieht diese 08/15-Plastik-CD-Hülle doch ziemlich schäbig aus. Was bleibt einem also übrig, als schnell eine eigene Cover-Version zu erstellen, um dieses Manko zu beheben? Recht komfortabel gelingt dies mit Hilfe von kover (http://www.fischlustig.de/kover/). Außer dem KDE-Libs-Paket braucht es dann eigentlich nur noch ein bisschen Phantasie, um mit diesem Progrämmchen hübsche bunte CD-Hüllen zu kreieren.

Nach dem Motto "WYSIWYG" -- "What you see is what you get" -- lassen sich in kover Titel und Inhalte eingeben (eine CDDB-Autofilling-Funktion wartet nur auf ihren Gebrauch), können Schriftfarbe, -größe oder -art ausgewählt oder bei Bedarf auch Fotos eingebunden werden. Zu jeder Zeit lässt sich dabei das Ergebnis der eigenen künstlerischen Meisterleistung groß oder klein im Vorschau-Fenster überprüfen.

Netterweise wird das mehr oder minder liebevoll gestaltete Cover beim Ausdruck direkt mit Falzlinien ausgespuckt, sodass man nur noch zur Schere greifen muss.

[ Kover ]

Abb. 17: Selbsterstellte Platten-Cover sind mit Kover ein Kinderspiel

Stefanie Teufel

Darf´s ein wenig mehr sein?

Vollständig war diese Vorstellung beileibe nicht -- dazu hätten wir dicke Bücher füllen müssen. Eine umfassende Übersicht zu Linux-Multimediatools wird unter http://bonn.linuxberg.com/x11soft.html und http://de.eu.mirrors.freshmeat.net/appindex/x11/ angeboten.

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