Jo´s alternativer Desktop
Fensterbauer
von Jo Moskalewski
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Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia
nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land
der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches
und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.
Diesmal soll Window Maker das Ziel unserer Begierde sein -- ein
ausgesprochen gut ausgestatteter Window-Manager, der einen Vergleich
mit Größen wie KDE oder GNOME keineswegs scheuen muss.
Window Maker ist wohl einer der großen Klassiker unter den
X11-Window-Managern. Window-Manager versehen Anwendungen mit
Rahmen und verwalten diese auf dem Desktop -- manche begnügen sich
hierbei wirklich schon mit dem Malen von Rahmen und überlassen alles
weitere zusätzlichen (optionalen) Tools. Nicht so Window Maker,
der sich fast schon den Schuh "Environment" anziehen darf. Genau genommen
ist er eines, doch das ist ein anderes Blatt und wohl nur für
Entwickler und Freunde von GNUstep-Programmen der Aspekt.
Aber auch für den Desktop-User schlägt er ein wenig in diese Kerbe.
X11: Ist ein netzwerkfähiges System, das die grafische
Ausgabe ermöglicht. (Fast) alle Unixprogramme verwenden X11 --
so auch die Window-Manager, die hierauf aufsetzen.
GNUstep: Ein von NeXT (heute Apple) abgeleitetes Environment,
das Programmen eine einheitliche Schnittstelle bieten möchte.
Nach wie vor versucht das GNUstep-Projekt, zu Apple-Applikationen
kompatibel zu bleiben. Weitere Informationen finden sich unter
http://www.gnustep.org/.
Ein kleines Environment
Was genau macht ein Environment aus? Man hat sich scheinbar darauf
geeinigt, dass es Drag & Drop und Desktop-Icons bietet und das Look
& Feel der Programme vereinheitlicht wird. Da Window Maker nicht
in die Hoheit der jeweiligen Programme eingreift, gibt es kein
einheitliches "Feel" der Programme -- und Drag & Drop auch nur
innerhalb des eigenen Rahmens: So ist es möglich, eine Textdatei auf
ein Editor-Icon zu ziehen, um diese im Editor zu öffnen. Der Haken
wird nur sein, dass sich kaum einer (?) ein Icon mit einer Textdatei
anlegt. Dennoch kann ich versichern, dass das Arbeiten mit Window Maker
sehr komfortabel ist und andere Lösungen als jene von
Microsofts Windows, KDE oder GNOME eher eine Chance als eine
Einschränkung darstellen. Window Maker ist ausgereift und komplett --
nichts fehlt.
Bin ich schon drin?
Und da Window Maker wirklich gut ist -- und daher von alten Hasen sehr
gerne verwendet wird, ist mir zumindest noch keine Distribution in die
Finger gefallen, die diesen nicht auch schon mitliefert. Oftmals muss
Window Maker lediglich von den CDs nachinstalliert werden. Und da er seit
langem ausgereift ist und die Weiterentwicklung sehr sorgfätig
geschieht, möchte ich Besitzer äterer Versionen vor dem
Update-Wahn bewahren: Verwenden Sie bitte die Pakete der eigenen Distribution --
zwar ist das
Kompilieren der Sourcen nicht schwer, aber das
Ergebnis oftmals leicht instabil: Erfahrungsgemäß geht dies
nur dann gut, wenn Sie sicher wissen, dass keine der neu installierten
Bibliotheken irgendwo auch von der distributionseigenen
Paketverwaltung geliefert wurden. Und dies ist sicher nur erfahreneren
Usern vorbehalten. Wer es dennoch nicht lassen kann, der findet die
aktuelle Version -- neben zusätzlichen Informationen -- auf der Web-Seite
http://windowmaker.org/
oder auf der beiliegenden CD. Zur Installation sei auf die im Paket
enthaltene Datei
INSTALL verwiesen, welche detailliert erklärt,
was zu tun ist.
Sourcen kompilieren: Programme werden in speziellen
Programmiersprachen geschrieben. Sie bestehen aus
Dateien, die puren Text enthalten und nicht gestartet werden
können. Nachdem dieser in Maschinencode übersetzt
(kompiliert) wurde, ist eine ausführbare Datei vorhanden.
Bibliotheken: Auch "Libraries" genannt -- Programme bzw. Routinen,
die von mehreren Programmen genutzt werden können und somit nicht
mit jedem Prgramm einzeln kommen sondern einmal und zentral installiert
werden.
Manche bekommen nie genug ...
Und daher ist es -- warum auch immer -- möglich, dem Window Maker
beim Kompilieren auch die Sprachen der GNOME-Freunde und KDEler mit auf dem Weg
zu geben. Zwar kommt man hier auch wunderbar ohne aus, doch wer es absolut
nicht lassen kann, der spendiert
configure einfach die Option
"--enable-gnome" oder "--enable-kde". Wer nicht selber kompiliert, findet
sicher ein spezielles Window-Maker-Paket bei seiner Distribution.
Nach der Installation ...
... wird Window Maker noch immer nicht starten, denn jeder User, der
Window Maker verwenden möchte, muss noch eine User-Installation
durchführen. Diese legt wichtige Konfigurationsdateien im
Home-Verzeichnis des Users an -- am einfachsten geschieht dies, indem
der jeweilige User
wmaker.inst aufruft. Hat die eingesetzte
Distribution keine eigenen Pläne und Vorstellungen hinsichtlich
Startmenü und Konfiguration, so wird z. B. auch eine
~/.xinitrc
angelegt (und eine eventuell bereits vorhandene gesichert), die dafür
sorgt, dass nach Eingabe von
startx an der Textkonsole unser Window
Maker zuverlässig seinen Dienst verrichtet (siehe Abbildung 1). Beim
Start von X über
startx wird u. a. die Datei
~/.xinitrc
aufgerufen, in der
wmaker eingetragen ist: unser Window Maker.
Treten hierbei ungeahnte Schwierigkeiten auf, so ist es kein Fehler, den
freundlichen Distributor mit dieser Problematik zu konfrontieren ...
(oder zumindest dessen Handbuch hinsichtlich seinen Vorstellungen zum
Start der grafischen Oberfläche zu konsultieren -- leider halten sich
nicht alle an die üblichen Spielregeln).
Abb. 1: Window Maker in Werkseinstellung
Automatisches "startx" beim Login
Zugegeben: Grafische Logins sehen nett aus. Über deren Sinn mag man
sich aber streiten. Funktioniert die grafische Oberfläche (X) mal
nicht, so mag augenblicklich keine Freude mehr über optische Reize
aufkommen. Auch auf etwas betagteren Rechnern empfiehlt sich der grafische
Login weniger, denn hierbei wird X zwei mal hintereinander gestartet --
u. U. ein Grund, sich vorerst dem Geschirr in der Küche zuzuwenden.
Einen netten Workaround vor der Spülbürste bietet eine kleine
Datei, genannt
~/.bash_profile. Diese ist optional und wird beim
einloggen in einer Bash (der Standard-Shell unter Linux) durchlaufen.
"Optional" bedeutet, dass diese Datei -- sofern nicht vorhanden -- einfach
angelegt werden kann; und wer diese bereits besitzt, darf munter darin
seine Phantasie walten lassen. Somit ist es legitim, hieraus X mitsamt
Window Maker zu starten. Unser Script in dieser Datei sollte zuerst testen,
ob wir auch an diesem Rechner sitzen; schließlich könnten wir
uns auch von anderswo einloggen und z. B. lediglich unsere Post abholen.
Steht also zweifelsfrei fest, dass wir unmittelbar an der Kiste sitzen,
so sollte X auch nicht starten, wenn wir es zuvor bereits gestartet haben --
man bedenke den Umstand, dass wir uns an einem Linux-Rechner mehrfach einloggen
dürfen und ein bereits erfolgter Login X bereits gestartet haben
könnte. Nachfolgend als Beispiel das Listing meines Scriptes, das
hier noch immer zuverlässig seinen Dienst verrichtet und mich vor
manchem Chaos sicher bewahrte:
case `/usr/bin/tty` in /dev/tty[0-9]*)
echo " "
echo "Lokaler Login - suche X-Lockfile."
echo " "
if [ -f /tmp/.X0-lock ]; then
echo "X-Lockfile vorhanden - X wird nicht gestartet."
echo " "
else
echo "X nicht aktiv - starte X in 3 Sekunden (abbrechen mit Strg-C) ..."
sleep 1s
echo "2 Sekunden ..."
sleep 1s
echo "1 Sekunde ..."
sleep 1s
if [ $? -eq 0 ]; then
startx
fi
fi
esac
Wichtig ist, dass es am Ende dieser Datei steht -- sonst sind andere
Einträge hierin für unseren Window Maker bedeutungslos. Und da
Abtippen wenig Freude macht, liegt es auch der CD bei.
Autostart - die Zweite
Eine wunderbare Sache an Window Maker ist auch, dass er selbst
uns einen eigenen Autostart anbietet -- und zwar mit der Datei
~/GNUstep/Library/WindowMaker/autostart. Wer z. B. mit dem Tool
imwheel das Rad seiner Maus zur Mitarbeit überreden
möchte, der trägt dieses dort einfach ein. Wichtig ist
hierbei allerdings, jeden Programmaufruf, sofern es sich nicht selber
sofort wieder beendet, mit einem "&" abzuschließen -- dieses schickt
das Programm "in den Hintergrund" (d. h. nachfolgende Programmaufrufe in dieser
Datei dürfen auch noch starten und müssen nicht warten, bis
die vorige Zeile abgeschlossen wurde). So kann man hierin z. B. einen
Bildschirmschoner mit der Zeile
xscreensaver -no-splash &
aktivieren.
Basics
In Abbildung 1 sieht man in der oberen linke Ecke das sogenannte "Clip".
An den Ecken der Büroklammer kann zwischen mehreren Desktops
gewechselt werden -- auch können an dem Clip für jeden Desktop
verschiedene Icons angeheftet werden. Man sieht, wie gerade versucht wird,
das (aus der unteren Icon-Leiste entnommene) Netscape-Icon links oben
"gedockt" (eingefügt) wird. Das "Dock" selber
befindet sich am rechten Bildschirmrand -- es ist fast identisch
mit dem Clip, ist aber auf allen Desktops präsent und dort immer gleich. Das
unterste Icon des Default-Docks ruft "WPrefs" auf, das grafische
Konfigurations-Tool von Window Maker (das aktuell durchaus mit dem separaten
GTK-Konfigtool "wmakerconf" konkurrieren kann).
Die Bedienung selber geht nach einer halben Stunde des "Spielens" leicht
von der Hand, weshalb hier nur noch Praktisches und in meinem Alltag
Bewährtes verraten werden soll: Ein Doppelklick auf die Titelleiste
schafft ungemein Platz auf dem Desktop, weshalb manch einer gar keine
weiteren Desktops mehr benötigt. Ein wahres Fest ist Window Maker
für die Freunde der Tastaturbedienung -- komplett anpassbar, wenn auch
dank wirklich gelungener Default-Einstellungen eine Anpassung kaum nötig ist.
Selbst das
Verschieben von Fenstern ist über die Tastatur möglich. Und wem
es zu umstädlich ist, jedes Mal das Startmenü erneut auf den
Desktop zu holen, der pinnt es einfach mit einem Mausklick an dessen
Titelleiste an.
Startmenü & Startmenü
Hier gibt es gleich zwei: Verwendet wird per Default zuerst das ältere
Modell, das für eine Bearbeitung mit dem Texteditor vorgesehen ist. Zu
finden ist es unter
~/GNUstep/Library/WindowMaker/menu -- und da es
mit einer einleitenden Anleitung sowie mit Beispielen versehen ist, ist
dieses leicht angepasst. Wer nun nimmermehr seinen Editor hierfür
anfassen mag, dem hilft das Tool
wm-oldmenu2new, das dieses ins neue
Format konvertiert und somit zur Bearbeitung mit
WPrefs freigibt. Dieses
Menü wird in der Datei
~/GNUstep/Defaults/WMRootMenu
abgespeichert. Ist dort schon ein brauchbares Menü vorhanden,
so wird es verwendet; ansonsten kommt das erstgenannte zum Zug.
Weitere Informationen
Wer mag, kann eine ganze Tour durch die Welt des Window Maker unternehmen --
hierzu hat ein netter Mensch ein Tutorial geschrieben, das kaum eine
Frage offen lässt. Zu finden ist es unter
http://www.linuxfocus.org/~georges.t/
-- dieses steht übrigens auch zum Download bereit und kann somit
in Ruhe "offline" durchgesehen werden. Sollte dennoch eine Frage bestehen,
so ist diese sicher in der FAQ (Frequently Asked Questions) beantwortet,
die jedem Window-Maker-Paket beiliegt. Da jedoch ein Window Maker
alleine kaum einen ganzen Desktop ausmacht, folgt in der nächsten
Ausgabe von deskTOPia der Weg zum individuellen Desktop mit Window Maker.
(hge)
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