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Erschienen in LinuxUser 10/2000

So viele Möglichkeiten

Windows-Emulation

von Hans-Georg Eßer


Hand aufs Herz: Auch als überzeugter Linux-Anhänger werden Sie das eine oder andere Programm aus der Windows-Welt vermissen -- einige Hersteller weigern sich nach wie vor standhaft, ihre Software zu portieren, und so bleibt häufig nur die Möglichkeit, immer wieder Windows zu booten.

Das muss aber nicht sein, denn es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, wie Sie Ihre Lieblings-Windows-Programme direkt unter Linux einsetzen können. Damit kann die Windows-Partition ein für allemal vom Rechner verschwinden.

Bei den Techniken, die zur Emulation eingesetzt werden, gibt es große Unterschiede: So stellt etwa das freie Projekt Wine Bibliotheken zur Verfügung, die die Windows-Funktionsaufrufe unmittelbar in entsprechende Linux-Aufrufe umsetzen -- dabei muss nicht mal eine Version von Microsoft Windows installiert werden. Ein alternativer Ansatz wird von VMware und Win4Lin verfolgt, die gleich einen vollständigen PC emulieren und auf diesem die Installation eines Original Windows-Pakets erlauben. VMware geht hier sogar noch weiter und unterstützt (prinzipiell) die Lauffähigkeit jedes beliebigen Betriebssystems in der virtuellen Maschine.

In der virtuellen Maschine von VMware (die sogar mit einer BIOS-Einschaltmeldung und möglichem BIOS-Setup aufwartet) lässt sich Windows wie auf jedem "normalen" PC installieren: Einfach Windows-Installations-CD einlegen, virtuelle Maschine booten und die Installationsprozedur durchlaufen. Ob Sie dabei Windows 95, 98, Millennium Edition, NT 4.0 oder 2000 verwenden wollen, ist irrelevant; alle laufen prinzipiell bestens, und auch die Installation beliebiger Windows-Programme (etwa Microsoft Office 2000) läuft völlig problemlos ab. Für die neuesten Windows-Versionen ist allerdings ein schneller Gastrechner notwendig, auf einem Dual-Pentium-III-500 quälte sich Windows 2000 in VMware anderthalb Stunden mit der Installation ab und war auch anschließend nicht sonderlich schnell (zum Vergleich: NT 4.0 läuft auf demselben Rechner unter der gleichen VMware-Version absolut flüssig).

Demgegenüber bietet Wine weniger Kompatibilität -- es ist noch im Alpha-Stadium und hat mit vielen aktuellen Windows-Programmen arge Probleme. Dafür bietet es aber eine nahtlosere Integration in die Linux-Umgebung: Jedes unter Wine ausgeführte Windows-Programm kann in einem normalen Linux-Fenster ausgeführt werden, und diese Fenster können sich mit anderen Anwendungen einen Desktop teilen. VMware öffnet ein großes Windows-Desktop-Fenster, das alle Windows-Programme enthält. Außerdem laufen Windows-Programme unter Wine deutlich schneller, da sie nicht auf einer simulierten Hardware laufen. Wenn die von Ihnen benötigten Programme mit Wine verträglich sind, ist Wine also eventuell die bessere Wahl, zumal für den Wine-Einsatz keine Windows-Lizenz zu erwerben ist.

Wie auch immer: So oder so gibt es die Möglichkeit, jedes Programm, das noch nicht auf Linux portiert wurde, dennoch zu verwenden. Nie mehr rebooten! (hge)

Windows NT 4.0 im VMware-Fenster unter Linux

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