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Erschienen in LinuxUser 11/2000

out of the box

Vollautomatisch

von Christian Perle
 [ tear ]


Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. "out of the box" pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten. In diesem Monat ist es das mp3-Tool tear.

Die eigene CD-Sammlung nach und nach ins bequeme MP3-Format zu bringen, ist eine aufwändige Sache: die CD in WAV-Dateien auslesen, die Dateien zu MP3 encodieren und schließlich noch entsprechend umbenennen. Zum Glück gibt es CDDB, die "CD Database". Dort sind zu unzähligen CDs Titelinformationen gespeichert. Was liegt also näher, als die Sache zu automatisieren?


MP3: Abkürzung für MPEG 1 Audio Layer 3. Ein Verfahren, das Audiodaten in CD-Qualität ohne nennenswerte Verluste auf ca. ein Elftel der Ausgangsgröße komprimiert.
WAV: Meist unkomprimiertes Audioformat, das zuerst in der Windows-Welt eingesetzt wurde.

Genügsam

Nun ist das hier vorzustellende Programm tear (der Name steht in bester GNU-Tradition für "tear encodes and rips") zwar nicht das erste seiner Art, aber es kommt mit sehr sparsamen Mitteln aus. Lediglich Perl, das Perlmodul CDDB_get, cdparanoia und lame müssen installiert sein. Perl ist ohnehin auf jedem ordentlichen Linux-System vorhanden, und letztere drei sind im tear-Paket enthalten, das man von http://tear.sourceforge.net/ herunter laden kann. Ein grafisches Frontend ist nicht nötig, da das Programm alles Wesentliche selbst macht.


Perl: Die "Practical extraction and report language", eine sehr mächtige Skriptsprache, die nicht nur unter Linux zu Hause ist.
Frontend: Ein Programm, das nur als Aufsatz für ein anderes Programm dient, um dessen Bedienung zu vereinfachen.

Ins System

Die für die Lauffähigkeit von tear nötigen Komponenten lassen sich entweder aus den im Paket enthaltenen Quelltexten kompilieren oder als Pakete für die jeweilige Distribution einspielen. Ob cdparanoia und lame bereits installiert sind, können Sie mit den Kommandos which cdparanoia und which lame herausfinden. Liefert eins dieser Kommandos nichts zurück, so ist das betreffende Programm nicht im Suchpfad vorhanden, findet auch der locate-Befehl keine Datei dieses Namens, war die Suche mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den restlichen Verzeichnissen vergebens.


Kompilieren: Ein "echtes" Programm ist in Quelltextform noch nicht vom Betriebssystem ausführbar. Erst durch das Kompilieren (Übersetzen) mit einem Compiler wird daraus eine durch den jeweiligen Prozessor ausführbare Darstellung. Ein großer Vorteil der Quelltextform ist, dass sie sich auf verschiedenen Plattformen (Intel, Sparc, Alpha, ...) übersetzen lässt, wenn die Software ausreichend portabel programmiert wurde.

Wenn das der Fall ist, übersetzen und installieren die folgenden Arbeitsschritte cdparanoia, lame und CDDB_get:

tar xzf tear-0.2.tar.gz
cd tear-0.2/misc/cdparanoia
./configure && make
su  (root-Passwort eingeben)
make install ; exit
cd ../lame
make && strip lame
su  (root-Passwort eingeben)
cp lame /usr/local/bin ; exit
cd ../CDDB_get
perl Makefile.PL
make
su  (root-Passwort eingeben)
make install
Schließlich wird das eigentliche Perlskript tear ins Verzeichnis /usr/local/bin kopiert:
cd ..
cp tear /usr/local/bin ; exit

Achtung Aufnahme!

Nach der Installationsarbeit ist es nun Zeit, das neue Programm zu testen. Legen Sie eine Audio-CD ins Laufwerk, starten Sie einen Terminalemulator (xterm, rxvt, Eterm...), und geben Sie dort ein:

tear N b 128
tear wird die komplette CD mittels cdparanoia einlesen (Abbildung 1). Während des letzten Tracks sollte man dafür sorgen, dass der Rechner Verbindung zum Internet hat, da direkt danach die CD-Datenbank abgefragt wird. Die Option N bewirkt, dass der Vorgang gesprächig abläuft, während b 128 die zu verwendende Bitrate durch lame vorgibt. Die erzeugten MP3-Dateien werden übrigens auch mit korrekten ID3-Tags versehen. Mit tear h bekommt man eine Übersicht aller Optionen.

 [ Aufnahme ]

Abb. 1: tear benutzt cdparanoia


Bitrate: Das MP3-Format kennt beim Komprimieren verschiedene Bitraten (oft angegeben in KBit pro Sekunde). Bei sehr niedrigen Bitraten wird die MP3-Datei kleiner, es gibt aber auch höhere Verluste bei der Klangqualität. In der Praxis sind Bitraten zwischen 128 Kbps und 192 Kbps sinnvoll.
ID3-Tag: Ein kleines Datenanhängsel für MP3-Dateien, in dem sich zusätzliche Daten wie Erscheinungsjahr, Musikgenre etc. speichern lassen. Viele MP3-Spieler werten diese Information aus und können sie darstellen.

Nach getaner Arbeit hat tear ein Verzeichnis mp3 mit weiteren Unterverzeichnissen angelegt. Dort befinden sich jetzt unsere MP3-Songs (Abbildung 2).

 [ Ergebnis ]

Abb. 2: Wieder ein Album im Kasten

Wenig Platz?

Nicht immer hat man genug Plattenplatz, ein komplettes Album im WAV-Format unterzubringen, um es dann ins platzsparende MP3-Format zu wandeln. Dafür kennt tear die Option B (steht für "no batch", keine Stapelverarbeitung). Die Aufrufsyntax -- diesmal ohne gesprächige Ausgaben, dafür aber mit höherer Bitrate -- lautet so:

tear B b 160
In dieser Betriebsart wird sofort nach dem Auslesen eines Tracks eine MP3-Datei erzeugt und die WAV-Datei gelöscht, bevor es mit dem nächsten Track weiter geht.

Wenn dann Ihre Festplatte gut mit MP3-Dateien gefüllt ist, werden Sie mir sicher Recht geben: Für die Einen ist es ein Rechner, für die Anderen der größte CD-Wechsler der Welt. (pju)

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