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Schlagwort: Der innovative Aufsteiger
von Andreas Huchler
Der derzeitige Erfolg von Linux Mandrake lässt sich auf zwei grundlegende Entscheidungen des Herstellers MandrakeSoft zurückführen: die Wahl von Red Hat als Basissystem und die Entscheidung, alle distributionseigenen Adminstrations-Tools (samt Handbücher!) unter die Bedingungen der GPL zu stellen. Die Entscheidung für nahezu 100%-ige Red-Hat-Kompatibilität sichert die größtmögliche Verfügbarkeit und Lauffähigkeit topaktueller GPL-Software. Die GPL-Lizensierung der Mandrake-eigenen Tools sorgt darüber hinaus für eine große Akzeptanz bei den Anwendern und Entwicklern. Dies wiederum erhöht deren Bereitschaft zur unentgeltlichen Mitarbeit bei der Weiterentwicklung von Mandrake.
Der grafische Installer wirkt auf den ersten Blick etwas arg bunt. Umgeht man einige potentielle Einsteiger-"Fallen", so erfüllt er aber seinen Zweck ganz gut. Bis zur Mauskonfiguration muss man sich als Besitzer einer USB-Maus per Tastatur (Leertaste / Tab) durch den Installer hangeln. "Falle" Nummer 1 lauert auf den unwissenden Mandrake-Neuling bei der Wahl der Installationsklasse. Kontra-intuitiv sollten hier auch absolute Neulinge den Auswahl-Button Experte, zumindest aber Benutzerdefiniert auswählen. Bei der Wahl des Einsatzgebiets empfiehlt sich bei ausreichendem Plattenplatz (ca. 1.5 bis 2 GB) der Button Entwickler-Plattform. Hintergrund: Mandrake überspringt nämlich im Anfänger-Modus wichtige Menüpunkte (z. B. Partitionierung), bei denen Sie im Normalfall doch ein Wörtchen mitreden wollen. Bei Entwickler-Plattform werden fast alle Pakete (auch neuere Bibliotheken) installiert, die die Erweiterbarkeit des Systems beträchtlich vereinfachen. Auch für Hardware-Laien recht anschaulich ist anschließend die grafische Festplattenpartitionierung. Eine zweite potentielle "Falle" erwartet den naiven Benutzer weniger bei der Erstellung, als vielmehr beim tatsächlichen Gebrauch der sogenannten Auto-Installations-Diskette. Der Installer partioniert nämlich unter Umständen ohne Rückfrage eine evtl. bestehende Windows-Partition um! Bei der Auswahlliste der automatisch startenden Systemdienste sollte man schließlich noch den Dienst ypbind (NIS) deaktivieren, um eine längere Wartezeit beim Booten zu vermeiden. Wer diese "Fallen" berücksichtigt, wird mit dem Installer normalerweise ohne größere Probleme zurechtkommen. Mandrake bietet übrigens ähnlich wie SuSE standardmäßig auch das Journaling-Dateisystem Reiserfs als Partitionstyp an.
Linux Mandrake setzt in Sachen Konfiguration (DrakConf) auf eine gesunde Mischung aus etablierten Red-Hat-Tools (linuxconf, sofortiges Update auf neuere Version empfehlenswert!, Kudzu) und zum Teil innovativen Eigenentwicklungen (Harddrake, DrakGW,...). Dadurch wird die grundlegende Systemadministration auch für Neulinge relativ einfach. Eine der größten Schwächen ist allerdings die stiefmütterliche Behandlung von ISDN- und (neuerdings auch) xDSL-Nutzern. Hier besteht dringender Verbesserungsbedarf, denn nicht jeder hat Lust und das erforderliche Know-How, sich wegen der fehlenden ISDN-Unterstützung einen eigenen Kernel zusammenzubauen.
Hier spielt Mandrake seine eigentlichen Stärken aus. Etwas lästig ist zwar die lange Zeit, die das distributionseigene rpm-Frontend rpmDrake bei jedem Aufruf benötigt, um die RPM-Datenbank zu aktualisieren. Dafür löst es aber in der Regel nach einmaligem Einlesen aller Mandrake-CDs auch bestehende Paketabhängigkeiten selbständig auf. Wie einleitend bereits angedeutet, profitiert Mandrake momentan von einer breiten Unterstützung durch freie Software-Entwicklern. Neben den FTP-Servern von Mandrake selbst (Security updates, Cooker) gibt es inzwischen eine Reihe weiterer Software-Portale, die sich um die schnelle Bereitstellung von "nativen" Mandrake-Binärpaketen kümmern (z. B. http://www.freezer-burn.org/rpm.php). Sollte es wider Erwarten mal für ein neues GPL-Programm noch kein Pentium-optimiertes Mandrake-Binary geben, dann funktioniert in der Regel auch das entsprechende Red-Hat-6.2-i386-Binary (http://www.rpmfind.net).
Mandrake 7.2 R2 ist ein innovatives Linux-System für etwas fortgeschrittenere Desktop-Anwender, Entwickler und Heim- und Hausadministratoren, die sich bei Bedarf auf den aktuellsten Stand des unter Linux technisch Möglichen bringen wollen. Hier und da muss man sich jedoch momentan noch mit ein paar lästigen Konfigurationshürden (z. B. ISDN) herumschlagen. Ab Mai/Juni 2001 soll übrigens der Nachfolger Mandrake 8.0 erhältlich sein. (ahu)
| Linux Mandrake 7.2 R2 |
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+ grafisches Konfigurations-Tool DrakConf (GPL) |
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