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Neben USB, dem Universal Serial Bus, existiert noch eine weitere serielle Schnittstelle namens FireWire. Diese hat sich gerade in Bereichen mit hohen Geschwindigkeitsanforderungen wie der digitalen Videobearbeitung etabliert. Wir zeigen, welche FireWire-Geräte man unter Linux betreiben kann und welche Software es dafür gibt.
Als die neue Kernel-Version 2.4 veröffentlicht wurde, galt ein besonderes Augenmerk der lang herbeigesehnten Unterstützung für Geräte mit USB-Anschluss. Klammheimlich und fast unbemerkt schaffte aber noch eine zweite Schnittstelle ihren Weg in den Kernel: FireWire - der "heiße Draht". Wie bei USB handelt es sich dabei um einen seriellen Bus, mit dessen Hilfe man verschiedene Hardware-Komponenten mit dem Computer oder miteinander verbinden kann.
Heutzutage wird FireWire hauptsächlich dazu eingesetzt, externe Peripheriegeräte an den PC anzuschließen. Beispiele hierfür sind Festplatten oder digitale Videokameras. Die dabei zum Einsatz kommenden Kabel haben sogar etwas Ähnlichkeit mit ihren entsprechenden USB-Pendants (Abbildung 1).
FireWire existiert bereits seit 1987 und wurde ursprünglich von Apple entwickelt. Daher verwundert es kaum, dass diese Firma bereits seit längerer Zeit ihre Macintosh-Computer mit diesen Schnittstellen ausrüstet. 1995 wurde FireWire vom Institute of Electrical and Electronics Engineers (kurz IEEE) standardisiert und firmiert seitdem unter dem formellen Namen IEEE 1394.
Apple verwendet weiterhin den Begriff FireWire, der sich umgangsprachlich für das System durchgesetzt hat. Sony bevorzugt hingegen den exotischen Namen iLink, und die amerikanische Presse bezeichnet ihn häufig als "High Performance Serial Bus" (HPSB). Gemeint ist jedoch stets dasselbe.
Warum lohnt sich überhaupt der Blick auf FireWire? Schließlich hat man mit USB eine etablierte Lösung, um dem Kabelsalat unter dem Schreibtisch Herr zu werden. Wie der Name bereits andeutet, ist FireWire für hohe Geschwindigkeiten ausgelegt: So können über die Kabel bis zu 400 MBit pro Sekunde übertragen werden, was rund 50 MB pro Sekunde entspricht. Im Vergleich dazu bringt es USB nur auf maximal 12 MBit pro Sekunde, also nur rund 1,5 MB pro Sekunde. Ein externer CD-Brenner mit USB-Anschluss kann daher nur mit maximal vierfacher Geschwindigkeit seine Arbeit verrichten - mehr verkraftet USB nicht. CD-Brenner sind also ideale Kandidaten für eine schnelle Schnittstelle, genau wie Festplatten, Drucker, Scanner oder digitale Videokameras.
Letztere zeichnen Daten mit 3,5 MB/s auf und geben sie auch in dieser Geschwindigkeit wieder aus. Daher verwundert es kaum, dass FireWire sich im Video-Bereich als Standard etabliert hat: Man findet kaum moderne Videokameras, die nicht mit einem solchen Anschluss ausgestattet sind.
Wer seinen selbstgedrehten Urlaubsvideos am PC den letzten Schliff verpassen möchte, kommt um eine entsprechende Anschlussmöglichkeit nicht mehr herum. Dank der fleißigen Arbeit des Linux1394-Projektes [1] können Sie FireWire-Geräte auch unter Linux ansprechen. Eine Warnung gleich vorweg: Die Treiber befinden sich in der Entwicklung. Wer unter Linux in die FireWire-Welt vorstoßen möchte, sollte sich daher auf einige frustrierende Momente einstellen.
Wie beim USB-Standard können alle FireWire-Geräte im laufenden Betrieb an- und abgestöpselt werden. Leider haben einige Linux-Programme hiermit Probleme und können im schlimmsten Fall das gesamte System lahm legen. Mit der folgenden Schritt-für-Schritt-Anleitung räumen wir ein paar Steine aus dem Weg.
Um ein FireWire-Gerät unter Linux zu betreiben, benötigt Ihr Computer als erstes eine FireWire-Schnittstelle. Diese kann in Form einer Zusatzkarte leicht nachgerüstet werden. Erhältlich sind diese Karten ab rund 50 Euro in jeder gut sortierten Computer-Abteilung.
Linux unterstützt Karten, auf denen Computer-Chips von Texas Instruments mit dem Namen PCILynx oder PCILynx2 werkeln, sowie Chips, die OHCI- (Open Host Controller Interface) konform sind. Insbesondere das letzte Kriterium sollten die meisten auf dem Markt erhältlichen Karten erfüllen.
Von Linux (noch) nicht unterstützt werden spezielle Sony Chips, wie sie in einigen Vaio-Systemen zum Einsatz kommen, und Karten mit Adaptecs AIC-5800. Ausnahmen bilden einige Sony-VAIO-Systeme, die den OHCI-kompatiblen CXD3222-Chipsatz verwenden. Analog hierzu existieren Texas-Instruments-Karten, die OHCI-kompatibel sind.
Stehen Sie vor dem Kauf einer solchen Zusatzkarte, sollten Sie darauf achten, dass auf der Verpackung OHCI-kompatible Karte oder OHCI compliant aufgedruckt ist: Mit einer solchen Karte kommt Linux am Besten zurecht.
Linux-seitig benötigen Sie Kernel 2.4, den alle halbwegs aktuellen Distributionen verwenden. Welche Kernel-Version bei Ihnen zum Einsatz kommt, können Sie in der Regel der Anleitung entnehmen oder unter KDE im Startbildschirm des Kontrollzentrums in Erfahrung bringen (Version des Systems). Außerdem lässt sich die Kernel-Version durch Eingabe von uname -r auf der Kommandozeile ermitteln.
Falls Sie einen Kernel in den Versionen 2.4.0-2.4.2, 2.4.7-2.4.11 oder 2.4.15 einsetzen und FireWire-Geräte unter Linux betreiben wollen, sollten Sie auf einen aktuelleren Kernel umsteigen - in den genannten Versionen arbeiten die FireWire-Treiber nicht korrekt. Dies gilt insbesondere für das verbreitete SuSE Linux 7.3, das die Kernel-Version 2.4.10 nutzt. Aktuelle Informationen zu diesem Thema erhalten Sie auch unter [1].
Wenn Sie nicht selbst einen Kernel übersetzen möchten, können Sie sich beim Hersteller Ihrer Distribution um einen aktuellen Kernel bemühen oder auf eine neuere Version Ihrer Distribution umsteigen. Gleiches gilt, wenn Ihre Hardware nicht auf Anhieb funktionieren sollte oder die in diesem Artikel genannten Schritte bei Ihnen nicht nachvollzogen werden können.
Der FireWire-Support befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium - in den meisten Fällen genügt ein Treiber-Update oder der Umstieg auf eine aktuellere Version des eingesetzten Programms oder einer Bibliothek, um Probleme zu beheben.
In erster Linie wurde bei der Treiberentwicklung das Augenmerk auf digitale Videokameras gelegt. Neben den Kameras funktionieren einige Video-Konverterboxen (diese wandeln analoges Material in digitale Videodaten um). Zudem gibt es noch digitale Videorekorder mit FireWire-Schnittstelle sowie einige für den Privatanwender eher uninteressante Hubs und Repeater.
Per FireWire-Kabel lässt sich sogar ein Netzwerk auf Basis des Internet-Protokolls aufbauen. Darüber hinaus wird zur Zeit an der Unterstützung von Massenmedien wie Festplatten, DVD-Laufwerken und Flash-Karten gearbeitet. Den hierzu notwendigen Treiber gibt es seit Kernelversion 2.4.7. Eine vollständige Liste mit Geräten, die bereits jetzt mit mehr oder weniger Aufwand unter Linux betrieben werden können, findet sich unter [2].
Aus diesen Gründen beschränkt sich der Artikel im Folgenden auf digitales Video. Dabei zeigen wir, wie eine digitale Kamera an ein Linux-System anzuschließen ist und damit die eigenen Filme über entsprechende Programme ausgelesen werden.
Digitales Videomaterial hat den Vorteil, dass es beim Überspielen auf den Computer zu keinerlei Qualitätsverlusten kommt. Alle im Folgenden gezeigten Schritte wurden unter SuSE Linux 7.2 mit einer Digital-8-Kamera vom Typ Sony DCR-TRV210E PAL durchgeführt. Selbstverständlich lassen sich die Schritte auch auf andere Distributionen und ältere SuSE-Versionen übertragen. Dort kann es allerdings notwendig werden, die Programme neu zu übersetzen.
Gute Erfahrungen haben wir mit Red Hat 7.1 und Mandrake 8.1 gemacht - alle Programme liefen dort ohne Probleme. Ob Ihr Linux FireWire unterstützt, finden Sie heraus, indem Sie den folgenden, ersten Schritt durchführen. Erhalten Sie keine Fehlermeldung, sind die notwendigen Treiber auf Ihrem System vorhanden. Schnappen Sie sich also Ihre digitale Kamera, und es kann losgehen.
Sofern noch nicht geschehen, bauen Sie zunächst die FireWire-Karte nach Anleitung in Ihren Computer ein. Die Kamera brauchen Sie noch nicht anzuschließen. Starten Sie anschließend Linux und melden Sie sich am System an.
Öffnen Sie ein Terminalfenster und geben Sie "su root" gefolgt von Ihrem Root-Passwort ein. Damit werden alle folgenden innerhalb des Terminalfensters eingegebenen Kommandos als Benutzer root ausgeführt.
Sofern Ihre Distribution das Programm lspci mitbringt, können Sie nun ermitteln, welcher Chipsatz auf Ihrer FireWire-Karte zu finden ist. Geben Sie dazu im Terminalfenster den Befehl "lspci" ein. Es wird eine Liste ausgegeben, in der alle von Linux erkannten PCI-Erweiterungskarten aufgeführt sind.
In einer der Zeilen sollte Ihre FireWire-Karte auftauchen. Hersteller/Typ des auf ihr verbauten Chipsatzes sind dort ebenfalls angegeben. Merken oder notieren Sie sich diese Angaben. Sollten Sie keinen Eintrag für Ihre Karte finden, überprüfen Sie bitte, ob die FireWire-Karte korrekt eingebaut wurde und fest in ihrem Sockel sitzt. Wird die Karte dennoch nicht angezeigt, kann es helfen, die Karte in einen anderen freien Sockel einzubauen oder den Platz mit einer anderen Karte zu tauschen. Diese Maßnahmen können übrigens allgemein bei (Erkennungs-) Problemen helfen.
Im nächsten Schritt werden die Treiber (unter Linux Module genannt) geladen. Geben Sie dazu folgende Befehle ein:
modprobe raw1394 modprobe ohci1394 modprobe video1394
Sollten Sie über eine Karte mit PCILynx- oder PCILynx-2-Chips verfügen, geben Sie anstelle der letzten beiden Befehle nur
modprobe pcilynx
ein. Bitte beachten Sie, dass in diesem Fall einige Programme, die den Treiber video1394 zwingend benötigen, (noch) nicht funktionieren: Dies sind beispielsweise Coriander oder Kino. Letzteres benötigt den Treiber beim Zurückspielen eines gespeicherten Films auf Band (der sogenannte DV-Export).
Sollten nach oder während der Eingabe der obigen Befehle Fehlermeldungen erscheinen, so sind entweder die FireWire-Treiber in Ihrer Linux-Version nicht vorhanden oder sie arbeiten mit Ihrer FireWire-Karte nicht zusammen. Erkennen die Treiber die FireWire-Karte nicht, so sollten Sie sie probehalber in einen anderen Steckplatz einbauen oder - sofern vorhanden - gegen ein anderes Fabrikat austauschen. Ob die Treiber korrekt geladen wurden, können Sie mit dem Befehl "lsmod" überprüfen. In der angezeigten Liste sollten drei (bei Pcilynx-Chipsätzen) beziehungsweise vier (alle OHCI-kompatiblen Karten) Einträge auftauchen (Abbildung 3).
Wechseln Sie nun mit dem Kommando "cd /dev" in das Unterverzeichnis /dev. Dort müssen sich zwei Dateien befinden: Eine trägt den Namen raw1394, die andere video1394. Sie können dies überprüfen, indem Sie "ls raw1394" bzw. "ls video1394" eingeben.
Sollten Dateien fehlen, so legen Sie sie mit den folgenden Befehlen an:
mknod -m 666 /dev/raw1394 c 171 0 mknod -m 666 /dev/video1394 c 172 0
Sollten Sie bis hierhin keine Fehlermeldung erhalten haben, ist Ihre FireWire-Karte voll einsatzbereit. Bitte beachten Sie, dass nach einem Neustart die Treiber mit Hilfe der oben genannten modprobe-Befehle als Benutzer root erneut geladen werden müssen. Die restlichen Schritte brauchen ab sofort nicht mehr durchgeführt werden. Geben Sie nun "exit" ein, um nicht länger als Administrator zu arbeiten.
Bevor wir uns der vorhandenden Software zuwenden, installieren Sie eine Bibliothek, auf deren Funktionen alle der im Folgenden aufgeführten Programme zurückgreifen. Die Bibliothek mit Namen libraw finden Sie als auf unserer Heft-CD. Die rpm-Datei lässt sich mit YaST oder Kpackage installieren.
Nachdem das Paket installiert ist, können Sie mit dem mitgelieferten Programm testlibraw einen ersten Test durchführen. Geben Sie dzau im Terminalfenster "testlibraw" ein. Es werden viele Informationen über Ihre Karte ausgegeben.
Ist dies nicht der Fall, so ist ein Fehler aufgetreten - meist hängt dies mit einem falsch gewählten Treiber zusammen.
Bei der ersten nützlichen Anwendung handelt es sich um ein Diagnose- und Informationsprogramm namens Gscanbus. Sie finden es auf unserer Heft-CD oder im Internet unter [9]. Sollte das Programm unter Ihrer Distribution nicht funktionieren, müssen Sie das Programm von Hand übersetzen (vgl. Kasten "Übersetzen"). Zum Betrieb benötigen Sie Gtk+ (das GIMP Toolkit) in der Version 1.2.0 oder höher. Auf allen modernen Distributionen sollte diese Bibliothek automatisch installiert worden sein.
Entpacken Sie Gscanbus von der Heft-CD mit einem entsprechenden Programm (bespielsweise Ark) in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Wenn nach dem Programmstart nichts passiert, wird Ihre FireWire-Karte nicht erkannt. Prüfen Sie in einem solchen Fall, ob alle vorherigen Schritte korrekt durchgeführt wurden. Stellen Sie weiterhin sicher, dass die Bibliotheken in den benötigten Versionen installiert worden sind. Gscanbus gibt eine (englische) Fehlermeldung aus, wenn Sie es in einem Terminal-Fenster mit der Eingabe von ./gscanbus aufrufen.
Nach einem fehlerfreien Start sollte eine grafische Oberfläche erscheinen (Abbildung 6). Hier ist ein Symbol zu erkennen, das die FireWire-Karte repräsentiert. Sobald Sie mit der Maus auf dieses Symbol klicken, erscheint ein Informationsfenster. Schließen Sie die Kamera an die FireWire-Karte an und schalten Sie sie ein. Unser Beispielmodell von Sony muss dazu in den "Play"-Modus versetzt werden. Nach ein paar Sekunden erscheint im Hauptfenster ein neues Symbol für die Kamera. Ein Klick auf dieses Sinnbild führt erneut zu einem Fenster, in dem sich am unteren Rand einige Schaltflächen befinden. Mit ihnen können Sie die Videokamera steuern. Starten Sie bei eingelegtem Videoband zur Probe die Wiedergabe mit einem Klick auf Play. Bitte beachten Sie, dass hierbei das Bild nur im Sucher oder dem Display der Videokamera angezeigt wird. Sollte sich die Kamera nicht rühren oder von Gscanbus nicht erkannt werden, überprüfen Sie alle Anschlüsse und probieren Sie (sofern vorhanden) ein anderes Gerät aus. In vielen Fällen hilft hier wieder, die FireWire-Karte in einen anderen Steckplatz umzusetzen.
Wurde die Kamera von Gscanbus erkannt, sollte sie von Ihrem Linux-System voll unterstützt werden. Im nächsten Schritt geht es an das Einlesen des Videomaterials und dessen Speicherung auf der Festplatte. Hierzu dient das etwas unkomfortable Programm Dvgrab. Sie finden es ebenfalls auf unserer Heft-CD. Es verfügt über keinerlei grafische Oberfläche und muss daher in einem Terminal-Fenster gestartet werden. Um zehn Sekunden Video aufzunehmen, starten Sie zunächst die Wiedergabe an Ihrer Videokamera und geben dann folgenden Befehl ein:
dvgrab --frames 250 meinurlaub
Nach dem Betätigen der Eingabetaste startet direkt die Speicherung der übertragenen Daten auf der Festplatte. meinurlaub steht dabei für den Namen der Datei, in der das Video abgelegt wird. Dvgrab hängt an diesen Namen automatisch die Erweiterung .avi an. Bitte beachten Sie, dass ein digitaler Videofilm pro Sekunde 3,6 MB auf der Festplatte beansprucht. Sie sollten daher vor der Aufnahme den benötigten Platz ausrechnen und auf der Festplatte bereitstellen.
Der Parameter --frames 250 gibt an, wieviele Bilder Dvgrab aufnehmen soll. Da in Deutschland ein Videofilm pro Sekunde genau 25 Bilder aufweist, müssen wir für einen zehnsekündigen Film 250 Bilder aufnehmen. Möchten Sie nicht jedesmal die Anzahl der Bilder ausrechnen, können Sie Dvgrab auch dazu veranlassen, endlos aufzunehmen. Der Aufruf hierzu lautet
dvgrab --autosplit meinurlaub
Dann wird so lange aufgenommen, bis der Benutzer die Tastenkombination [Strg+c] drückt. Sollte ein Szenenwechsel erfolgen oder die Datei zu groß werden, legt das Programm automatisch eine neue Datei an, deren Name eine fortlaufende Nummer enthält.
Entstehen während der Aufnahme Probleme, gibt Dvgrab diese als (englische) Fehlermeldungen aus. Meistens beschränken sie sich auf Speicherplatzmangel oder zu langsam angenommene Daten. Im letzten Fall fehlen die betroffenen Bilder in der gespeicherten Videodatei. Solche Geschwindigkeitsprobleme treten auf, wenn im Hintergrund viele Programme arbeiten oder der Prozessor zu langsam ist. Bei weiteren Problemen hilft meist ein Blick in das Dvgrab-Forum [5], wo Sie selbst Fragen stellen können.
Um die auf der Festplatte abgelegten Daten anzuschauen, kann das Programm Xdvplay verwendet werden. Diese Software finden Sie ebenfalls auf unserer Heft-CD. Wie Dvgrab kann es ausschließlich aus einem Terminal-Fenster heraus aufgerufen werden. Starten Sie es durch Eingabe von "xdvplay", gefolgt von einem Leerzeichen und dem Namen der abzuspielenden Datei. Um etwa unseren gerade eingelesenen Urlaubsfilm anzuschauen, ist folgende Eingabe notwendig:
xdvplay meinurlaub001.avi
Bitte beachten Sie, dass die Wiedergabe auf langsamen Computern sehr stark ruckeln und sich Streifen im Bild bilden können. Dies ist normal und wird von der hohen Datenmenge verursacht.
Möchten Sie vor einer Vorführung des Urlaubsvideos unerwünschte Szenen herausschneiden, so stellt dies kein Problem dar. Unter Linux sind im Augenblick zwei Programme zur Videobearbeitung verfügbar: das freie Broadcast 2000 und das kostenpflichtige aber leichter zu bedienende Schnittprogramm MainActor der Firma MainConcept [7].
Eine genaue Bedienungsbeschreibung der Bedienung muss hier wegen der Komplexität der Programme außen vor bleiben. In den kommenden Ausgaben werden wir uns aber ausführlich mit Broadcast 2000 und MainActor auseinandersetzen. MainActor kostet 199 DM und kann bei LinuxLand oder direkt bei MainConcept erworben werden.
Eine kostenlose Demo-Version findet sich unter [7] zum Download. Zum Redaktionsschluss war eine direkte Aufnahmemöglichkeit via FireWire-Kameras noch in Arbeit. Das der BETA-Version 3.6.6-1 beiliegende Testmuster des Videoaufnahmeprogramms Madvcap macht allerdings bereits jetzt einen vielversprechenden Eindruck (Abbildung 9).
Die finale Version 3.7, die Anfang 2002 erscheinen soll, wird laut MainConcept Import und Export digitalen Videomaterials über die FireWire-Schnittstelle unterstützen. Gelingt MainConcept dies, so wird es mit MainActor eine wesentlich bequemere, wenngleich kommerzielle Möglichkeit geben, digitale Videos zu bearbeiten.
Ohne direkte DV-Unterstützung können Sie mit Dvgrab eingelesene Videos in der aktuellen MainActor-Version 3.6.5 weiterverwenden. Dazu müssen Sie dem Dvgrab-Aufruf zusätzlich den Parameter --format dv2 anfügen. Ein Beispiel für den Endlosaufnahme-Modus wäre:
dvgrab --format dv2 --autosplit meinurlaub
Die kostenlose Alternative Broadcast 2000 bietet schon jetzt die Aufnahme digitaler Videofilme ohne Umweg über Dvgrab. Dazu müssen Sie lediglich unter Preferences auf Video klicken und im rechten Teil IEEE1394 als Aufnahmetreiber einstellen. Leider kommt Broadcast2000 nicht mit allen Videokameras zurecht. Ein Beispiel bildet die im Artikel verwendete Digital-8 Kamera. Die Hilfe meint lapidar zu diesem Thema: "Wenn es geht, geht es, wenn es nicht geht, geht es nicht". Hier hilft also nur ausprobieren.
Zum Schluss stell wir noch zwei weitere interessante Programme vor: Kino und Coriander. Kino ist ein einfaches Video-Editierprogramm, das nicht ganz so leicht in Betrieb zu nehmen ist wie die bereits vorgestellten Programme. Es muss in jedem Fall neu übersetzt werden und benötigt zudem mehrere weitere Software-Pakete: Unter SuSE 7.2 sind dies für die Version 0.45: Gnome-libs, Gxmhtml, Esound, Indent, Orbit sowie die beiden zusätzlichen Pakete libdv-devel-0.8-1.i386.rpm und libavc1394-0.3.0.tar.gz, die Sie zusammen mit Kino auf dessen Homepage unter [4] finden.
Kino ist zur Zeit das einzige Programm, mit dem man das bearbeitete Filmmaterial wieder auf ein digitales Videoband - mit Hilfe einer entsprechenden Digitalkamera - überspielen kann.
Coriander dient der Steuerung einer Digitalkamera. Auf unserem Rechner verwehrte es allerdings alle Übersetzungsversuche. Sie finden das Programm im Internet unter [8].
Die Unterstützung von Geräten mit FireWire-Anschluss unter Linux befindet sich noch in den Anfängen. Schreitet die Entwicklung aber im bisherigen Tempo voran, so ist schon bald eine ähnlich gute Anbindung wie bei USB-Geräten zu erwarten.
Die immer häufiger auf dem Markt erscheinenden Geräte mit FireWire-Anschluss fordern geradezu eine entsprechende Unterstützung durch Linux. Wünschenswert wäre in diesem Zusammenhang die Aufnahme der Treiber in die Konfigurationsprogramme der Distributoren, so dass die oben gezeigte, umständliche Einrichtung der Treiber endgültig entfällt. (agr/hge)
| Kasten 1: Übersetzen |
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Alle im Artikel vorgestellten Programme wurden in der Programmiersprache C geschrieben und liegen fast ausnahmslos im Quelltext vor. Diese Dateien müssen von einem "Compiler" in ein vom Computer ausführbares Format gebracht werden. Diesen Vorgang haben wir Ihnen für einige Programme bereits abgenommen: Die Ergebnisse finden Sie auf unserer Heft-CD. Besitzer von Distributionen, auf denen diese Programme nicht auf Anhieb laufen, sollten die folgenden Schritte durchführen: Um Gscanbus zu übersetzen, sind der GNU C-Compiler (bei SuSE im Paket gcc), das Programm make (Paket make), die Bibliotheken für den C-Compiler (Paket glibc-devel), die Entwicklerversion des Gtk-Toolkits in der Version 1.2.0 oder höher (gtk-devel), sowie der Quellcode der Bibliothek Libraw1394 (libraw1394-devel, zu finden unter [1]) notwendig. Um Gscanbus zu übersetzen, entpacken Sie das Programm in ein Verzeichnis Ihrer Wahl. Öffnen Sie anschließend ein Terminal-Fenster und wechseln Sie mit "cd name" in das entsprechende Verzeichnis. name steht hierbei für das Verzeichnis, in das Sie das Archiv entpackt haben. Geben Sie nun ein: ./configure Es folgen sehr viele Meldungen. Wenn darunter keine Fehlermeldung ist (solche bemängeln oft das Fehlen einer benötigten Bibliothek), geben Sie ein: make War dieser Befehl erfolgreich, finden Sie das fertige Programm unter dem Namen gscanbus. Für Dvgrab gehen Sie analog vor; Gtk+ wird hier nicht benötigt. Bei Kino sind unter SuSE folgende zusätzliche Pakete notwendig: gtk-devel, gnome-libs-devel, esound-devel, imlib-devel und orbit-devel. Diese Pakete finden Sie unter ähnlichen Namen auch bei den anderen Distributionen. Darüber hinaus wird die Bibliothek libavc benötigt (unter [4] zu finden). Um diese zu erstellen, entpacken Sie das zugehörige Archiv in ein Verzeichnis Ihrer Wahl, wechseln in einem Terminal-Fenster in dieser Verzeichnis und geben dort nacheinander die Befehle ./configure , make und make install ein. Treten dabei keine Fehler auf, kann auch Kino übersetzt werden. Dazu entpacken Sie das Archiv und wechseln auf die bekannte Weise in das entsprechende Unterverzeichnis. Geben Sie auch hier wieder ./configure, gefolgt von make ein. Nach dem Übersetzungsvorgang heißt das ausführbare Programm kino und befindet sich im Verzeichnis src. |
| Infos |
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[1] http://linux1394.sourceforge.net: Linux-FireWire-Treiber, viele nützliche Links und Hinweise
[2] http://linux1394.sourceforge.net/hcl.php: Kompatibilitätsliste [3] http://www.schirmacher.de/arne/dvgrab/index_e.html: dvgrab [4] http://www.schirmacher.de/arne/kino/index_e.html: Kino [5] http://www.schirmacher.de/cgi-bin/dcboard.cgi: Forum rund um DV unter Linux [6] http://heroinewarrior.com: Videoschnittsoftware Broadcast 2000 [7] http://www.mainconcept.de: MainActor [8] http://www.tele.ucl.ac.be/PEOPLE/DOUXCHAMPS/ieee1394/coriander/: Coriander [9] http://www.ivistar.de/0500opensource.php3?lang=en: Gscanbus |
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Last modified: 2008-04-22 13:53
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