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Ximian Evolution 1.0.3Ausguck für Linuxvon Nico Lumma |
Die Frage an Windows-User, welches E-Mail-Programm sie benutzen, erübrigt sich in den meisten Fällen, denn die Antwort lautet ohnehin: "Outlook". Das sei ja so praktisch, damit könne man nicht nur E-Mails verschicken, sondern auch Kontaktdaten verwalten und Kalender pflegen. Stellt man Linux-Usern dieselbe Frage, bekommt man unzählige Antworten von mail, elm, pine, mutt bis hin zu Mozilla, KMail, Sylpheed, XFmail und vielen anderen mehr. Zu diesen Mail-Clients gesellen sich dann noch Kalender- und Kontaktdaten-Tools, je nach verwendetem Desktop und etwaigen Vorlieben. Aber das Pendant zu Outlook fehlte in der Linux-Welt lange Zeit. Allen Hardcore-Linuxern zum Trotz eine Marktlücke, die sich die amerikanische Firma Helixcode vor über einem Jahr mit der Programmierung einer Software namens Evolution [1] zu füllen anschickte. Mittlerweile heißt Helixcode Ximian und bereichert die Welt um die Version 1.03 des Programms.
Evolution basiert auf dem GUI-Toolkit GTK+ und gehört als Mail-Client zum GNOME-Projekt dazu, kann aber auch unter KDE oder mit einem Standalone-Window-Manager benutzt werden. Das Programm lässt sich bequem mit dem ebenfalls von Ximian entwickelten Paket-Management-Tool Red Carpet oder aber auch direkt per rpm bzw. dpkg installieren.
Bei der aktuellen SuSE 8.0 ist Evolution 1.0.2 bereits dabei. Wer unbedingt möchte, lädt sich alternativ die Sourcen der aktuellen Version 1.0.3 von [2] herunter und kompiliert selbst. Ximian stellt unter [3] Binär-Pakete für folgende Betriebssysteme und Distributionen bereit:
Leider hängt die Software von einer ganzen Menge Paketen ab -- ein Resultat der engen Integration mit GNOME. Nicht-GNOME-User haben daher noch eine gewisse Installationsorgie vor sich, in deren Verlauf sie quasi alle GNOME-Basis-Pakete einspielen müssen. Wer über eine -- nicht zu lahme -- Netzanbindung verfügt, sollte dabei zu Red Carpet greifen, das sich die benötigten Pakete zum Installieren aus dem Netz holt. Modem-User müssen allerdings etwas Zeit und Geduld mitbringen, denn Evolution alleine umfasst schon knapp 20 MB, und die nachzuinstallierenden GNOME-Pakete sind auch nicht alle ganz klein.
| Kasten 1: Installation auf dem roten Teppich |
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Möchten Sie Red Carpet benutzen, gehen Sie folgendermaßen vor:
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Auch wenn die Unix-typische Arbeitsweise, viele dedizierte kleine Programme baukastenartig zu einer maßgeschneiderten Lösung zusammenzusetzen, an vielen Stellen unübertroffen praktisch ist, hat die Integration von E-Mail- und Kalender-Funktionalität, Kontaktdaten sowie Aufgabenlisten für die tägliche Arbeit durchaus Vorteile. Beispielsweise ist es sehr praktisch, wenn E-Mail-Adressen anhand der Einträge im Adressbuch beim Erstellen einer E-Mail automatisch komplettiert werden oder ein per Mail erhaltener Termin mit der Bestätigung zugleich in den Kalender eingetragen wird.
Beim Umschalten zwischen seinen Modulen öffnet Evolution nicht ständig neue Fenster, sondern lässt alles im Hauptfenster ablaufen. Ein netter Nebeneffekt ist die Zusammenfassung, die das Programm beim Start bietet (und mit der man sich auch im Laufe der Arbeit einen Überblick verschaffen kann). Darin bekommt man neben den am jeweiligen Tag anliegenden Terminen und Aufgaben auch einen kurzen Überblick über neue E-Mails in der Inbox oder aber Informationen zu den Temperaturen der Heimatstadt angezeigt.
Mail-seitig spricht Evolution sowohl POP3 als auch IMAP, kann aber auch mit dem mbox-Format des Mail-Spools und dem Maildir-Format umgehen. Evolution unterstützt sowohl das auch aus dem Web bekannte SSL ("Secure Socket Layer") für IMAP/POP zur gesicherten Übertragung der E-Mail, als auch SASL ("Simple Authentication and Security Layer") für eine gesicherte Authentifizierung. Leider ist SSL mit Evolution aus den vorkompilierten Paketen nicht möglich, dies soll aber in späteren Versionen anders werden.
Das Programm bietet vielfältige Möglichkeiten, bestehende Mail-Ordner, Kalender- und Kontaktlisten zu importieren. Es versteht dabei sowohl das Outlook-Format .pst, als auch LDAP-Dateien (.ldif) sowie iCal und vCard.
Die Einrichtung eines neuen Mail-Accounts begleitet ein sogenannter Druide. Er sorgt mit dem Identitätsdialog aus Abbildung 1 dafür, dass Evolution für die E-Mail-Kommunikation essentielle Daten wie Name und E-Mail-Adresse zur Verfügung stehen. Zusätzlich kann man das Feld Organisation mit Inhalten füllen und je eine Signaturdatei für Plaintext- und HTML-Mails auswählen.
Im nächsten Schritt wählt man unter Servertyp (Abbildung 2) aus, über welchen Mechanismus Mails abgeholt werden sollen, und gibt in den Feldern zur Konfiguration an, auf welchem Rechner sie für welchen Benutzernamen (zwischen-)lagern. Zusätzlich sollte man hier den Legitimations-Typ auswählen, also die Art der Authentifizierung am Mail-Server bestimmen. Hier gibt es neben der üblichen Angabe eines Passworts auch die Optionen DIGEST-MD5 und CRAM-MD5, die beide für verschlüsselte Authentifizierung sorgen. Wenn man sich nicht sicher ist, welche Authentifizierungsmöglichkeiten der Mail-Server bereithält, kann man dies mit einem Klick auf den Button Prüfen, welche Typen unterstützt werden herausfinden.
Der nächste (in Abbildung 3 abgebildete) Dialog erlaubt es beispielsweise, das Abfrage-Intervall beim Mail-Server oder einige IMAP-Optionen einzustellen. Zu guter Letzt darf man dem Zugangsdruiden noch mitteilen, über welchen Server ausgehende Mails verschickt werden sollen und ob dieser eine Legitimation in Form eines Passworts benötigt (Abbildung 4).
Einmal eingerichtet, erfindet Evolution das Rad nicht neu: Neben dem Ordner für die eingehende Mail, INBOX genannt, findet sich einer für ausgehende elektronische Post sowie einer für Entwürfe. Natürlich lassen sich eigene Ordner anlegen, um die Mails besser sortieren zu können. Dies ist per Hand möglich. Bei erhöhtem Mail-Aufkommen oder auch, wenn man einige Mailinglisten abonniert hat, empfiehlt sich aber der Einsatz von Filtern.
Filter lassen sich auf zwei verschiedene Arten erstellen. Die erste Möglichkeit besteht darin, in der Menüleiste Werkzeuge / Filter... auszuwählen und dort einen neuen Filter hinzuzufügen. Dabei wählt man die Filterkriterien (Absender, Betreff etc.) und den Suchbegriff aus. Zusätzlich legt man fest, was passieren soll, wenn der Filter greift. Hier bietet es sich an, bestimmte Mails in einen extra dafür vorgesehenen Ordner schieben zu lassen, also beispielsweise alle Mails einer Mailingliste in den Ordner Mailingliste. Natürlich kann man auch versuchen, Spam-Mails am Betreff zu erkennen (z. B. "Earn Money Fast") und diese gleich in den Müll zu schieben.
Die zweite, viel einfachere und intuitivere Variante, einen Filter zu erstellen, besteht darin, eine Mail auszuwählen und im auf einen Rechtsklick hin erscheinenden Kontextmenü den Punkt Regel aus Nachricht erzeugen herauszusuchen. Dieser Menüeintrag enthält einige für's Filtern relevante Unterpunkte: Filter über Betreff, Filter über Absender, Filter über Empfänger und Filter über Mailingliste. Wählt man einen davon aus, öffnet sich das Filter-Menü mit vorbereiteten Einträgen zu Filternamen und -begriff. Man muss nur noch eine Filter-Aktion auswählen, um den Filter fertigzustellen.
Möchte man bereits empfangene Mails nachträglich filtern, so geht das entweder über den Menüpunkt Aktionen / Filter anwenden oder aber über den Eintrag Filter anwenden im Kontextmenü der Mail. Bei der ersten Variante filtert Evolution den gesamten Ordner, bei letzterer nur die ausgewählte Mail.
Eine pfiffige Idee sind die virtuellen Ordner, die ähnlich wie Filter funktionieren, aber im Hintergrund Mails anhand verschiedener Kriterien sammeln. So kann man sich beispielsweise blitzschnell alle Mails einer Person anzeigen lassen, ganz gleich, ob sie in der Inbox oder in einem speziellen, beispielsweise für eine bestimmte Mailingliste gedachten Ordner abgelegt wurden.
Die Mails in den virtuellen Ordnern belässt Evolution an den ursprünglichen Aufbewahrungsorten und stellt sie nur für den Augenblick zusammen. Analog zum Erzeugen eines Filters geht man hierzu über den Menüpunkt Werkzeuge oder aber über das Kontextmenü beim Auswählen einer E-Mail. Der einzige wesentliche Unterschied zum Erstellen der Filter ist, dass man bei virtuellen Ordnern auswählen muss, welche Folder dafür durchsucht werden sollen.
Zum Erstellen neuer E-Mails klickt man auf den Button Neue Nachricht in der Werkzeugleiste. Daraufhin öffnet sich ein neues Fenster (Abbildung 6), das eine Zeile für den Adressaten und eine für's cc: bereithält, aber natürlich auch eine Betreffzeile und ein Textfeld. Neben dem in [4] beschriebenen Verschlüsseln und dem Signieren der Nachricht mit PGP oder GnuPG kann man beispielsweise Anlagen anfügen oder HTML auf Per-Mail-Basis ein- oder ausschalten. Verzichtet man auf HTML, versucht Evolution, die möglichen Formatierungsoptionen so gut es geht nach ASCII zu übertragen. So sieht ein Empfänger, der seine Mails mit einem Mail-Client wie mutt liest, statt des in Evolution formatierten Punkts am Anfang eines Eintrags in einer ungeordneten Liste ein *.
Nach einem Klick auf Verschicken schiebt Evolution die Mail in den Ausgangsordner, von wo aus sie entsprechend der Voreinstellungen entweder sofort oder aber erst beim nächsten Abfragen der E-Mail-Konten versendet wird.
Evolution bringt eine umfangreiche Adressbuch-Funktion mit, die das Arbeiten ungemein erleichtert. Beim Erstellen einer Mail vervollständigt das Programm die Mail-Adresse so möglich automatisch, oder aber man klickt sofort auf den An:-Button und wählt den Empfänger aus dem Adressbuch aus.
Eine Absenderadresse überführt man über das Kontextmenü in die Kontakt-Datenbank; das Erstellen eines gänzlich neuen Kontakts geht recht einfach über den Tool-Button Neuer Kontakt aus der Kontakte-Ansicht heraus. Abhängig von den bekannten Daten befüllt man den entsprechenden Dialog. Von Vorname und Name über mehrere Telefonnummern und E-Mail-Adressen bis hin zur Post-Anschrift und weiteren Vermerken sind alle erdenklichen Felder vorgesehen. Jeder Kontakt wird in einer Karteikarte abgespeichert, kann aber mit anderen Kontakten gruppiert werden, so dass sich beispielsweise alle Ansprechpartner einer Firma zusammenfassen lassen.
Kontaktdaten können aber nicht nur lokal gespeichert, sondern auch von einem LDAP-Server bezogen werden. Dabei ist es durchaus möglich, mehr als nur eine Daten-Quelle anzugeben. Man kann einzelne Kontakte bequem als vCard weiterleiten; an E-Mails anhängende vCards lassen sich per Mausklick ins Adressbuch übernehmen.
Der Kalender zeigt in der normalen Ansicht den aktuellen Tag, enthält aber rechts oben zusätzlich eine kleine Monatsanzeige (Abbildung 7). Darunter findet man die aktuelle Aufgabenliste. Über die Monatsanzeige wählt man einen Tag aus, klickt die gewünschte Uhrzeit an und schreibt den Termin ins entsprechende Feld. Will man zusätzliche Informationen dazu speichern, sorgt ein Doppelklick auf die gewünschte Uhrzeit für ein Fenster wie in Abbildung 8, in dem sich Zeitpunkt und Ort näher bestimmen lassen, aber auch Platz für einen Kommentar bleibt.
Zusätzlich besteht die Möglichkeit, weitere Teilnehmer für den Termin festzulegen, die dann auch eine Einladung bekommen. Diese wird per Mail im iCal-Format verschickt und kann vom Empfänger direkt in den eigenen Kalender übernommen werden. Erhält man selbst ein iCal-Attachment, nimmt man den Termin an oder lehnt ihn ab (Abbildung 9) -- im ersten Fall erzeugt Evolution automatisch einen Kalender-Eintrag.
Dank einer Fülle von Optionen kann sich jeder User den Kalender entsprechend seiner Vorlieben gestalten. Interessant sind vor allem die Benachrichtigungsoptionen, die man entweder bei jedem Termin neu einstellt oder aber fest vorgibt. Für jeden Termin sind verschiedene Benachrichtigungen möglich, abgesehen vom Aufpoppen eines Benachrichtigungsfensters lassen sich auch Programme ausführen.
Will man den Überblick über anstehende Aufgaben behalten, erstellt man bei Evolution eine einfache Aufgabenliste, die in der Tagesansicht neben dem Kalender erscheint. Sobald ein Punkt "abgearbeitet" ist, erscheint die Aufgabe durchgestrichen, kann aber natürlich auch über das Kontextmenü gelöscht werden. Um die einfache Aufgabenbezeichnung mit zusätzlichen Informationen zu versehen, lassen sich auch längere Kommentartexte verfassen.
So schön all die Features sind -- der moderne Mensch trägt seine Termine und Kontaktdaten oft auf einem PDA spazieren. Evolution bevorzugt Palm-Pilot-Besitzer. Zur Synchronisation kommt das Synchronisationstool des GNOME-Projekts zum Einsatz, das mittels gpilotd einen sehr vernünftigen Daten-Abgleich durchführt.
Die entsprechende Konfiguration fällt in den Aufgabenbereich des GNOME-Kontrollzentrums. Dort definiert man die entsprechenden Conduits ("Kanäle") den eigenen Bedürfnissen folgend. Beispielsweise kann man beim Abgleich der Adressen festlegen, dass Adressen lediglich vom Desktop auf den Palm übertragen werden, wohingegen die Termine komplett synchronisiert werden.
Die tägliche Arbeit mit Evolution lässt erahnen, warum Windows-User zumeist Outlook benutzen. Gerade, wenn es um die tägliche Koordination von Terminen geht, ist die Integration von E-Mail, Kontakten, Kalender und Aufgabenlisten sehr praktisch.
Über die virtuellen Ordner hat man alle Mails einer bestimmten Person auf einen Klick parat, und der Austausch von Kontaktdaten per vCard oder das Verschicken von Terminen als iCal-Attachment vereinfacht die Kommunikation innerhalb der Firma ungemein.
Eher unschön ist die starke Einbindung in und Abhängigkeit von GNOME. Hat ein KDE-Benutzer jedoch die Installationshürde überwunden und
evolution mailto: "%tim KDE-Kontrollzentrum unter Persönliche Einstellungen / E-Mail als Bevorzugtes E-Mail-Programm eingetragen, öffnet sich beim Klick auf einen mailto:-Link im Konqueror brav das Evolution-Fenster zum Erstellen einer neuen Nachricht. (pju)
| Infos |
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[1] Evolution-Homepage: http://www.ximian.com/products/ximian_evolution/
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