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von Tim Schürmann
Der hierzulande relativ unbekannte Software-Hersteller Ability blickt auf eine lange Erfahrung im Bereich der Office-Pakete zurück. Erste Vorläufer des mittlerweile als Ability Office 2003 firmierenden Büropaketes erschienen bereits im Juli 1987.
Die aktuelle Version wurde primär für Windows entwickelt und ist entsprechend stark angepasst. Bei der Portierung auf Linux entschied sich die englische Firma für den Einsatz von Wine. Ähnlich wie bei den etwas glücklosen Corel-Produkten ist das Ergebnis daher keine native Software.
Stattdessen werden die einzelnen Windows-Anwendungen unter Linux per Emulation zum Leben erweckt. Hierdurch geht zwar die Portierung äußerst schnell vonstatten, der Hersteller erkauft sich diesen Vorteil aber mit Geschwindigkeitseinbußen und undefinierbarem Verhalten der Benutzeroberfläche.
Bleibt zu hoffen, dass Ability die jeweils aktuelle Version von Wine verwenden wird und ihr Office-Paket somit nicht das gleiche Schicksal wie Corels WordPerfect erleidet.
Ability Office für Linux besteht aus der Textverarbeitung Ability Write, der Tabellenkalkulation Ability Spreadsheet, dem Malprogramm Ability Photopaint sowie der relationalen Datenbank Ability Database. Letztere tritt in direkte Konkurrenz zu Microsoft Access und wäre somit die einzige Datenbank unter Linux, die dort für einen adäquaten Access-Ersatz sorgen könnte. Ein Präsentationsprogramm fehlt bereits dem ursprünglichen Ability-Paket unter Windows. Die Benutzerführung der Programme orientiert sich stark an den Microsoft-Office-Programmen.
Die Alpha-Version verfügt noch nicht über den kompletten Funktionsumfang. Als direkte Folge reagieren einige der Menüpunkte nicht oder zeigen nur leere Dialogfenster. Hierzu zählen zum Beispiel auch die Rechtschreibhilfe und der Thesaurus.
Internet-Funktionen sucht man bis auf den üblichen HTML-Export vergebens. Dafür unterstützt die Software Serienbriefe und Makros. Insgesamt liegt der Funktionsumfang zwischen dem in Ausgabe 05/2003 getesteten ThinkFree Office und Star- bzw. OpenOffice. Ähnliches gilt für die Tabellenkalkulation. Einige der in Ability Office 2003 für Windows enthaltenen Funktionen, wie beispielsweise die integrierte PDF-Unterstützung, konnten wir in der Linux-Version übrigens (noch) nicht ausfindig machen.
Dafür überholt das Grafikprogramm Photopaint auf Pixel-Basis eindeutig die entsprechende Komponente aus StarOffice: Seine Bedienung ist an das gleichnamige Pendant aus dem Hause Corel angelehnt.
Photopaint bietet neben zahlreichen Werkzeugen den Umgang mit Ebenen, viele Filter, Effekte und sogar ein Histogramm. Nach dem ersten Eindruck kann es aber eine reine Bildbearbeitung nicht ersetzen.
Aufgrund massiver Abstürze konnten wir uns von der Datenbank noch kein Bild machen. Grob geschätzt wird ihr Funktionsumfang in etwa dem der Datenbankkomponente aus StarOffice 5.2 entsprechen. Ebenfalls unkommentiert bleiben die Importqualitäten: Ability stürzte schon bei einfachen Word-Dokumenten reproduzierbar ab.
Die Entwickler haben noch viel Arbeit vor sich. Sind alle Funktionen implementiert und die Kinderkrankheiten und Probleme in der Benutzerführung behoben, bliebe ein für private Zwecke brauchbares Office-Paket.
Wer die Alpha-Version einmal selbst testen möchte, findet sie im Internet unter http://www.ability.com. Bereits vorhandene Wine-Versionen sollten zuvor aus dem System entfernt werden. (agr)
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