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Hardware für den Wohnzimmer-PCRuhe bitte!von Mirko Dölle und Thomas Koch |
Alles heiße Luft, so könnte man aktuelle Rechner treffend charakterisieren: Ein bis zwei Netzteillüfter, jeweils ein weiterer lärmt auf CPU, Mainboard-Chipsatz und Grafikkarte, die Festplatte muss auch noch gekühlt werden, und ein Zusatzlüfter an der Vorderseite soll dem Rechner eine kühle Brise verschaffen. Ein aktueller Computer mit 2,5-GHz-Prozessor setzt 100 bis 200 Watt in Wärme um, und mit der Zahl der Lüfter steigt der Lärmpegel gewaltig.
Eine Alternative sind niedrig getaktete, stromsparende Prozessoren, die rein passiv gekühlt werden können. Die Chip-Schmiede Via stellte auf der CeBIT 2003 das ultra-kompakte Epia-Mainboard vor, das bereits mit einem Intel-kompatiblen C3-Prozessor bestückt ist. Bis zu einer Taktfrequenz von 600 MHz lassen sich Mainboard und Prozessor rein passiv kühlen, wir wählten deshalb das Modell ME6000P für rund 130 Euro von [3].
Das Mainboard ist im ITX-Formfaktor gefertigt und nur 17 x 17 cm2 groß. Man kann es getrost als Einplatinen-Computer bezeichnen, da es neben CPU, Chipsatz und Grafikkarte auch mit allen nötigen Schnittstellen ausgestattet ist: Es gibt einen PCI-Slot, zwei IDE-Kanäle, Floppy-Anschluss, Netzwerk, Sound, TV-Ausgang, 4 x USB 2.0, 2 x Firewire, 2 x seriell, 1 x parallel und 2 x PS/2. Die Linux-Unterstützung ist gut, lediglich für X benötigt man den Server von Via [1] oder muss den Framebuffer-X-Server benutzen.
Das Gehäuse Yeong-Yang Casper A106 für 60 Euro wurde von Tech-Case [3] geliefert. Es ist recht kompakt und sieht nicht auf den ersten Blick wie ein Computer aus, das CD-Laufwerk verschwindet zum Beispiel hinter den Acrylglas-Abdeckungen in der Mitte, Schalter und Schnittstellen sind hinter Klappen verborgen.
Das eingebaute 70-Watt-Netzteil ersetzten wir durch ein rein passiv gekühltes 110-Watt-Netzteil für 125 Euro, ebenfalls von [3]. Das Netzteil besteht aus zwei Teilen, dem externen Trafo und einem internen Spannungswandler, der jedoch zu klein für die Netzteil-Aussparung im Gehäuse war. Wir konnten den internen Wandler deshalb nur mit einer Schraube befestigen, weitere Probleme gab es nicht.
Das Casper-Gehäuse ist sehr geräumig, es bietet Platz für vier PCI-Steckkarten, eine Festplatte und ein Diskettenlaufwerk sowie einem CD-ROM (Abbildung 1). Die Wärmeableitung führt über die Gehäusedeckel, ein Lüfter war nicht erforderlich -- die Innentemperatur liegt allerdings bei gut 40 Grad, und der Mainboard-Chipsatz wird durchaus bis 60 Grad heiß.
Bei den DVB-Karten gibt es eine große Auswahl, leider funktionieren nicht alle mit VDR. Unbedenklich sind die Karten von Hauppauge [4] und Technotrend [5], egal ob sie für Sat, Kabel oder terrestrischen Empfang ausgelegt sind. Die Treiber wurden maßgeblich von den Mitarbeitern bei Convergence [6] geschrieben.
Man unterscheidet zwischen so genannten Full-Featured- und Low-Budget-Karten: Die Full-Featured-Karten haben einen MPEG-2-Decoder, mit dem man das empfangene Sat-Signal ohne Belastung für die CPU auf dem Fernseher ausgeben kann -- ihr Preis liegt zwischen 160 und 250 Euro, je nach Typ und Händler. Die Low-Budget-Modelle hingegen kosten nur zwischen 70 und 90 Euro, haben dafür aber nur den Empfangszweig ohne MPEG-2-Decoder und ohne TV-Anschluss. Sie sind optimal als Zweit- oder Drittkarte, um mehrere Sendungen gleichzeitig aufzeichnen zu können.
Die Full-Featured-Karten basieren alle auf dem Referenz-Design der Firma Technotrend, je nach Revision kommen jedoch verschiedene Tuner-Module zum Einsatz. Die Karten-Revision steht am oberen Platinenrand, so dass man die Modelle kaum verwechseln kann.
Die Technotrend DVB-s Revision 1.3 hat als einzige zwei Sat-Anschlüsse -- einen Eingang und einen Ausgang. In der Praxis wird der Ausgang kaum genutzt, weshalb die Nachfolgemodelle Revision 1.6 und 2.1 nur noch den Eingang haben. Hauppauge [3] liefert mit der WinTV-Nexus nur noch die aktuelle Revision 2.1 aus. Die Karte ist mit 225 Euro die teuerste im Testfeld, im Lieferumfang sind aber noch eine Fernbedienung sowie ein Infrarot-Emfänger enthalten. Alternativ kann man problemlos die älteren Revisionen 1.3 und 1.6 einsetzen -- sie werden im Betrieb zwar wärmer als die neue Revision 2.1, sind aber schon für 170 bzw. 180 Euro bei [5] zu bekommen.
Beim Kauf einer Low-Budget-Karte ist Vorsicht geboten: Auch hier funktionieren derzeit nur die Technotrend-Modelle zuverlässig. Die gibt es von verschiedenen Anbietern und unter verschiedenen Namen, erfolgreich getestet wurden die Hauppauge WinTV-Nova-s (85 Euro), Technotrend WinDVB-s Budget2 (70 Euro bei [5]) und Satelco Standard PCI DVB-s (90 Euro bei [7]). Die Typhoon TV Sat DVB-s [8] hingegen lässt sich derzeit nicht mit VDR verwenden: Unter [9] gibt es zwar bereits Treibermodule, die Video4Linux-Unterstützung fehlt aber noch. Auch die sehr günstigen Technisat Skystar-2 sind noch nicht stabil -- der aktuelle DVB-Treiber unterstützt sie zwar, doch noch ist kein Maintainer gefunden, der den Treiber weiter entwickelt und betreut.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass derzeit nur Karten mit dem Philips-SAA7146A-Chip zuverlässig unterstützt werden. Ein weiteres Problem sind die CA-Module zum Nachrüsten einer Crypto-Karte für Pay-TV: Sie lassen sich derzeit nur an einer Full-Featured-Karte benutzen, für die Low-Budget-Karten fehlt noch die Treiberunterstützung. (mdö)
| Infos |
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[1] Treiber-Seite von Via: http://www.viarena.com
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