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Erschienen in LinuxUser 10/2003   »   Ausgabe bestellen

Angriff der Marketing-Abteilung

Liebe Leserinnen und Leser,

Versionsnummern helfen, den Überblick zu behalten -- das gilt aber nicht immer. Während der Linux-Kernel mit seinen dreistelligen Versionen, bei denen die mittlere etwas über die Stabilität aussagt (gerade oder ungerade?), nach Erklärung des Systems einigermaßen verständlich durchnummeriert scheint, steht bei den Distributionsversionen offenbar ein anderes System vor der Einführung.

SuSE, Red Hat, Mandrake und Debian verwendeten bisher zweistellige Versionsbezeichnungen; aktuell sind etwa SuSE Linux 8.2, Mandrake Linux 9.1 und Red Hat Linux 9. Neun? Red Hat 9 ist der Nachfolger von Version 8.0, und die nächste Ausgabe wird vermutlich Red Hat X heißen, was vielleicht an MacOS X erinnern und Linux-Fans vom Umstieg auf einen Mac abhalten soll...

Blickt man zurück auf die Geschichte der Windows-Versionen, kennt man das Chaos bereits: Während auf Windows 3.0 noch ordentlich die Versionen 3.1 und 3.11 folgten, kam danach Windows 95, dann 98 und dann Me (für Millennium Edition), parallel dazu gab es den NT-Zweig in den Versionen 4.0, 2000 (5.0) und XP (5.1, Experience). Nicht wenige hielten Windows 2000 für den Nachfolger von Windows 95 -- handelt es sich doch in beiden Fällen um eine Jahreszahl --, während die Me-Version schon schwieriger einzusortieren war.

Marketing gone wild... Das ist der Effekt, der eintritt, wenn Versionsnummern uns nicht mehr über den Reifegrad eines Produktes informieren, sondern einfach "Kauf mich, ich bin neu" sagen wollen -- suggeriert doch eine höhere Versionsnummer (auch distributionsübergreifend) ein aktuelleres System.

Wenn die Produktbezeichnung nicht mehr informativ, sondern verkaufsbeschleunigend sein soll, muss Platz für noch mehr Kreativität sein. Daher an dieser Stelle einige Vorschläge für neue Versionsbezeichnungen:

Das ist doch anregender als "SuSE 9.0", "Mandrake 9.2" und "Red Hat X" (wie die nächsten Versionen tatsächlich heißen werden), und durch quartalsmäßig neue Versionen mit wieder neuen Namen kann auch dem Letzten der Überblick genommen werden. Testen werden wir die neuen Distributionen, die für den Oktober erwartet werden, in einer der nächsten Ausgaben; für unerwartete Kreativität bei den Versionsnummern wird es aber keine Bonuspunkte geben -- nicht mal für das Aufgreifen unserer Vorschläge.

Bilder besser bearbeiten

Stark grafiklastig ist die Titelstrecke dieser LinuxUser-Ausgabe: Auf über 30 Seiten beleuchten wir Bildbearbeitung von allen Seiten. Bildbetrachter, Morphing-Tools, Hilfe beim Erstellen von Video-CDs mit Fotoalben (zum Abspielen auf dem DVD-Player), automatische Veränderungen an einer großen Zahl Bilder und Informationen zum Einlesen von Digikam-Bildern sind einige der Themen; auf der Hardware-Seite runden wir den Schwerpunkt mit einem Test aktueller Digitalkameras auf ihre Linux-Tauglichkeit ab.

Hans-Georg Eßer
Chefredakteur

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