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Debian-InstallationWeitgehend stabilvon Thomas Hümmler |
Die letzte stabile Version von Debian ist schon älter. Debian 3.0 alias "Woody" wurde im Sommer 2002 veröffentlicht, die letzte Aktualisierung 3.0r2 im Herbst 2003. Und obwohl das Projekt offiziell nie das genaue Datum für das nächste Release veröffentlicht, stand schon länger der 1. Dezember 2003 für die Folgeversion 3.1 mit den Codenamen "Sarge" fest. Daraus ist bis jetzt nichts geworden - aus mehreren Gründen: Einerseits gab es letztes Jahr im November einen Angriff auf mehrere Debian-Server. Zum anderen haben die Entwickler im April dieses Jahres ihren Gesellschaftsvertrag geändert - mit weitreichenden Folgen für die Distribution. Demnach soll jede Firmware ohne Sourcecode aus dem Kernel verbannt werden, ebenso wie Teile der Dokumenation. Ziel ist ein gänzlich freies System. Das bedeutet aber auch umfassende Änderungen an der gesamten Distribution.
Die darauf einsetzenden Diskussionen in den Foren und Mailing-Listen wurden sachlich bis heftig geführt; es war von Krise, Fork und Tod der Distribution die Rede. Mittlerweile ist wieder Ruhe eingekehrt. Das liegt vielleicht auch an einer Abstimmung unter den Entwicklern, die letztlich ergab, den neuen Gesellschaftsvertrag auf Eis zu legen, bis Sarge veröffentlicht ist.
Das soll zwar dieses Jahr noch geschehen - aber Debian-typisch gibt es dafür noch keinen Termin. Die Zahl der Fehler, die der Veröffentlichung im Weg stehen, ist mit fast 200 immer noch beträchtlich (Abbildung 1). Allerdings ist das Basissystem vergleichsweise stabil. Es gibt keine kritischen Fehler, und nur etwas über ein Dutzend in den Kategorien "grave" ("schwerwiegend") und "serious" ("ernst zu nehmen"). Auch die Fehler in den Standard- und Task-Paketen sowie im neuen Installer sind überschaubar (Abbildung 2). Wenn Sie sich über den aktuellen Stand informieren wollen, sehen Sie unter [1] nach.
Trotzdem ist Sarge, wenn es veröffentlicht wird, in einigen Bereichen schon hoffnungslos veraltet. KDE beispielsweise gibt es mittlerweile in der Version 3.3, in Sarge ist KDE 3.1 dabei; Woody arbeitet gar noch mit KDE 2.2.2. In Woody werkelt zudem noch - wenn überhaupt schon - der 2.4er-Kernel, der mit manch aktueller Hardware noch Probleme hat. Andere Programme wie Spamassassin müssen regelmäßig aktualisiert werden, sollen sie vernünftig ihren Dienst tun.
In Debian gibt es mehrere Möglichkeiten, sich diesen Problemen zu stellen. Man kann zunächst ein reines Woody einsetzen und fährt damit ebenso sicher wie stabil. Netzwerkadministratoren dürften an dieser Lösung ihre Freude haben. Sie können bei der stabilen Debian-Version zumindest davon ausgehen, dass alle Abhängigkeiten gelöst sind und Sicherheitsaktualisierungen zeitnah geschehen. Das Security-FAQ [2] von Debian macht dies deutlich: "Wenn Sie einen sicheren (und stabilen) Server benötigen, wird es Ihnen dringend empfohlen, bei stable [Woody; Anm. der Redaktion] zu bleiben. Jedoch werden die Sicherheitssekretäre versuchen, die Probleme in testing [Sarge] und unstable [Sid] zu beheben, nachdem Sie im stable-Release behoben sind."
Backports finden Sie zum Beispiel unter [3] und [4] (Abbildung 3). Um diese Quellen in Debian zu nutzen, müssen Sie als root in die Datei /etc/apt/sources.list eingetragen werden. Im Falle von www.backports.org lautet der Eintrag
deb http://www.backports.org/debian stable [Paket1 | Paket2 | ...] deb-src http://www.backports.org/debian stable [Paket1 | Paket2 | ...]Als Paketnamen setzen Sie die Verzeichnisnamen ein, wie sie unter www.backports.org/debian/dists/woody/ stehen. Wollen Sie beispielsweise die aktuellen Versionen von Firefox, Spamassassin oder Gimp nutzen, lautet der Eintrag
deb http://www.backports.org/debian stable gimp mozilla-firefox spamassassin deb-src http://www.backports.org/debian stable gimp mozilla-firefox spamassassin
Die zweite Zeile können Sie übrigens weglassen, wenn Sie die Source-Dateien nicht herunterladen wollen. Ein anschließendes apt-get update als root aktualisiert die Liste der Pakete; mit dem Befehl
apt-get install gimp mozilla-firefox spamassassinwerden diese Pakete danach installiert.
Der Vorteil von Backports: Diese Hintertüren kann man bei Problemen einzeln wieder schließen. Der Nachteil: Je mehr Backports genutzt werden, desto mehr neuere Bibliotheken sind erforderlich, so dass ein so aufgebohrtes Woody im Laufe der Zeit immer mehr zu einem Sarge mutiert.
Wenn Sie eine Kombination aus testing und unstable - also Sarge und Sid - nutzen wollen, müssen Sie die /etc/apt/sources.list ebenfalls entsprechend anpassen. Als Grundlage kann beispielsweise die DVD dienen, die der Januar-Ausgabe 2004 von Linux-User beilag. Hinzu kommen noch die Pakete des Debian-FTP-Servers; so wird gewährleistet, dass immer die aktuellsten Versionen einer Software eingespielt werden. Außerdem sinnvoll sind Pakete, die aufgrund der Exportbeschränkungen der USA im non-US-Zweig enthalten sind - wie zum Beispiel GnuPG oder Apache-SSL. Ab und zu gibt es auch für Sarge Security-Updates, daher sollte auch ein Eintrag dafür nicht fehlen. Und schließlich werden die Pakete aus dem unstable-Zweig ebenfalls eingetragen. Die daraus resultierende /etc/apt/sources.list könnte so aussehen:
# Debian-DVD aus LinuxUser 01/2004 deb cdrom:[Debian GNU/Linux 3.1/testing _Sarge_ - Unofficial LinuxUser i386 DVD (20031119)]/ unstable contrib main # Pakete aus Sarge vom Debian FTP-Server deb http://ftp.debian.org/debian/ sarge contrib main non-free # Pakete aus Sarge vom deutschen Debian-FTP-Server für Nicht-US-Pakete deb ftp://ftp.de.debian.org/debian-non-US/ sarge/non-US contrib main non-free # Debian Security Updates deb http://security.debian.org/ sarge/updates main contrib non-free # Pakete aus unstable deb http://ftp.debian.org/debian/ unstable contrib main non-freeNachdem Sie diese Datei gesichert haben, sollten Sie noch die Zeile
APT::Default-Release "testing";in die Datei /etc/apt/apt.conf eintragen. Mit apt-get update werden dann die Paketlisten von den Servern geladen und auf dem eigenen Rechner gespeichert (Abbildung 4). Der anschließende Befehl apt-get upgrade aktualisiert das System (Abbildung 5). Dabei lässt er Dank des Eintrags in der /etc/apt/apt.conf die unstable-Pakete außer Acht.
Nun können Sie darangehen, einzelne Pakete aus dem unstable-Zweig einzuspielen. Dazu nutzen Sie den Befehl
apt-get -t install Paket/unstableMit dem Parameter -t oder --target-release geben Sie die Distribution an, aus der Pakete installiert werden. Damit wird ein Paket aus dem unstable-Zweig installiert, fehlende Abhängigkeiten allerdings nicht automatisch aufgelöst. Da hilft der Befehl
apt-get -t unstable install [Paket1 | Paket2 | ...]weiter. Dieses Kommando verfolgt automatisch die Abhängigkeiten in unstable-Paketen. Allerdings sollten Sie hier genau zurückverfolgen können, was Sie gemacht haben. Denn mit diesem Kommando können unerwartete Abhängigkeitsprobleme auftreten (Abbildung 6), die ein Rückgängigmachen der Installation erfordern oder - im günstigsten Fall - längere Installationsarbeiten, weil viele abhängige Pakete zunächst eingespielt werden müssen. (thu)
| Infos |
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[1] Fehlerstand in Debian: http://www.debian.org/releases/sarge/ [2] Debian-Security-FAQ: http://www.debian.org/security/faq#testing [3] Backports für Woody: http://www.backports.org [4] Liste inoffizieller Debian-Pakete und Backports: http://www.apt-get.org |
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Last modified: 2008-04-22 14:00
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