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Workshop: Titel in MainActorTitelheldvon Tim Schürmann |
Der Urlaub ist vorbei, die Geldbörse leer und die selbstgedrehten Videokassetten voll. Wieder daheim schneidet man am Linux-PC das Material auf eine ansehnliche Länge und wirft gleichzeitig durch das Bild laufende Personen sowie weiteres unerwünschtem Filmmaterial hinaus. Den letzten Schliff erhält die Dokumentation durch einen ansprechenden Titel. Wer das Schnittprogramm MainActor verwendet, stößt dabei recht schnell an die Grenzen des Machbaren. Der recht gut versteckte Titelgenerator 2D Text bietet gerade einmal grundlegende Beschriftungsmöglichkeiten. Doch mit ein paar Kniffen und den vielfältigen Effekten und Filtern, lassen sich Titel fast beliebig gestalten und aufpeppen. Am Beispiel eines kleinen Urlaubsfilms zeigt dieser Artikel Schritt für Schritt den Weg zum individuellen Vorspann.
Das kommerzielle Videoschnittprogramm MainActor stammt vom deutschen Hersteller MainConcept und wurde bereits in Ausgabe 09/2004 ausführlich unter die Lupe genommen. Auf der Homepage von MainConcept [1] finden Sie eine Testversion, die als einzige Einschränkung ein Wasserzeichen in das fertige Video stanzt. Zum Redaktionsschluss gab es nur Pakete für SuSE Linux und Mandrake zum Download. Nutzen Sie eine andere Distributionen, sollten Sie vor dem Kauf ausprobieren, ob MainActor diese einwandfrei unterstützt.
Nach dem Einspielen über den Paketmanager Ihrer Distribution starten Sie das Videoschnittprogramm in einem Terminalfenster mit dem Befehl mactor, den Sie mit der Eingabetaste bestätigen.
Bevor Sie loslegen, sollten Sie sich ein paar Gedanken über den Aufbau und das verfügbare Material machen. So sind Titel nicht nur als Vorspann sinnvoll, sondern helfen dem Zuschauer auch bei späteren Orts- und Handlungswechseln, den roten Faden nicht zu verlieren. Bei einer Rundreise könnten Sie zum Beispiel jeden besuchten Ort mit einer entsprechenden Einblendung ankündigen. Im Idealfall sollte man sich bereits am Urlaubsort Gedanken über den oder die späteren Titel machen. Ein gefilmtes Ortsschild ist später wesentlich schneller geschnitten, als ein künstlich eingestanzter Text eingesetzt (vgl. Abbildung 1).
Stehen solche "natürlichen" Titel nicht zur Verfügung, sichtet man am heimischen Schnittplatz in einem ersten Schritt das Material. Für den Titelhintergrund eines Urlaubsvideos sind zum Beispiel langsame Kameraschwenks oder Landschaftsaufnahmen sehr gut geeignet. Alternativ kann man auf eine einfarbige Fläche (meist schwarz) oder ein Standbild zurückgreifen. In jedem Fall sollte das Material für den Hintergrund nicht zu dominant sein, da der Zuschauer sonst abgelenkt wird oder aber der Titel schlecht oder nicht mehr lesbar ist. Weitere Anregungen bieten professionelle Fernsehdokumentationen oder Kinofilme. Das im folgenden verwendete Beispiel orientiert sich am Vorspann von "Findet Nemo": Zunächst wird der Produzent ("Familie Müller") genannt. Dies ist eine einfache, weich eingeblendete Schrift. Anschließend folgt der eigentliche, aufwendiger gestaltete Titel ("Urlaub 2004"). Als Hintergrund kommt ein am Urlaubsort aufgenommener Kameraschwenk zum Einsatz, der schließlich in die erste Szene mündet. Die folgenden Schritte setzen voraus, dass das Video für den Hintergrund bereits auf der Festplatte vorliegt (vgl. Kasten "Hereinspaziert").
| Kasten 1: Hereinspaziert |
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Unter Tools / MainConcept / DV Capture finden Sie die Aufnahmefunktionen
von MainActor. Voraussetzung ist eine digitale Videokamera, die über
eine so genannte FireWire-Schnittstelle mit dem Computer verbunden ist,
nebst korrekt eingerichteten und geladenen FireWire-Treibern. Viele
aktuelle Computer haben bereits eine FireWire-Schnittstelle, andernfalls
gibt es im Handel preiwerte Einbaukarten. Sind die Treiber geladen,
können Sie unter Capture Driver und Capture Device die Schnittstelle
und Ihr Kameramodell wählen. Im Feld Capture File tragen Sie
die Datei samt Pfad ein, in der MainActor das Video ablegen soll.
Ein Klick auf das Aufnahmesymbol (kleiner, roter Kreis) startet die Aufzeichnung.
Sollte Ihre Distribution die Treiber nicht selbständig laden, dann öffnen Sie ein Terminalfenster, werden dort per su zum Benutzer root und geben den Befehl modprobe raw1394 gefolgt von modprobe ohci1394 ein. Anschließend müssen Sie MainActor neu starten. |
Um die Übersicht zu wahren, erzeugen Sie zunächst über Timeline / Neu erstellen eine neue Zeitleiste (englisch: Timeline). Als Folge legt MainActor im Timeline betitelten Fenster einen neuen Kartenreiter an. Auf den Spuren des ersten Reiters arrangiert man den Titel, im zweiten Register den Rest des Filmes. Diese Aufteilung ist zwar nicht zwingend notwendig, sorgt aber bei umfangreicheren Schnittarbeiten für Übersicht (vgl. Kasten "Timelines zusammenfügen").
| Kasten 2: Timelines zusammenfügen |
| Wie im Artikel erwähnt, kann man in MainActor mehrere Zeitleisten anlegen und verwalten. Für jede neue Timeline erzeugt MainActor ein neues Symbol im Browser-Fenster im Register Projekt. Diese Symbole können Sie ähnlich wie andere Mediendateien benutzen. Um etwa zwei Zeitleisten für die Ausgabe miteinander zu verschmelzen, genügt es, das Symbol in die aktuell geöffnete Zeitleiste im Timeline-Fenster zu ziehen. |
Nun importieren Sie das Videomaterial, indem Sie im Fenster Browser aus dem Kontextmenü Multimediadateien hinzufügen wählen. Zum gleichen Fenster gelangen Sie über das erste Symbol ganz links in der Symbolleiste. Suchen Sie die entsprechende Datei und klicken auf OK. MainActor erstellt einen neuen Ordner Media, den Sie mit einem Doppelklick öffnen. Per Drag&Drop ziehen Sie das darin enthaltene Video auf die Spur V1 der Zeitleiste: Halten Sie über dem Video die linke Maustaste gedrückt und fahren mit dem Mauszeiger anschließend über die Zeitleiste. Ein weißer Rahmen zeigt an, wo das Video beim Loslassen der Maustaste platziert würde. Positionieren Sie für das Beispiel den Rahmen bündig am linken Rand (vgl. Abbildung 2)
Wie Sie im Vorschaufenster sehen können, ist der Text noch nicht ganz so, wie er sein sollte. Führen Sie daher auf dem Element 2D Text in der V2-Spur einen Doppelklick aus. Im Fenster Effekte zeigt MainActor nun alle Einstellungsmöglichkeiten des gewählten Elements (vgl. Abbildung 4). Schreiben Sie zunächst ins untere, große Eingabefeld den Text "Familie Müller" und -- durch einen Absatz getrennt -- "zeigt". Zentrieren Sie die Schrift mit Hilfe des entsprechenden Symbols und wählen Sie neben einer serifenlosen Schriftart noch eine passende Schriftgröße. Die Bedienung ist hier ähnlich wie in einer Textverarbeitung.
Leider steht die Schrift noch ziemlich weit am unten Rand, ein Teil sogar außerhalb des Bildes. Bugsieren Sie deshalb mit den Schiebereglern unter X Pos und Y Pos den Titel in die Mitte. Unter Color wählen Sie noch eine Farbe, die sich gut vom Hintergrund abhebt.
| Kasten 3: Stapelarbeit |
| In der Vorschau können Sie gut erkennen, dass MainActor die Titel über dem Video einblendet. Welches Element dabei vor welchen anderen Elementen angezeigt wird, regelt die Anordnung in der Zeitleiste. Deren Spuren arbeiten wie ein Stapel. Dies kann man sich wie Folien vorstellen, die man übereinander legt. Ein auf der Spur V2 platziertes Objekt wird somit immer über denen der obersten Spur V1 angezeigt. Wenn Sie eine weitere Spur (unter Videotrack hinzufügen des Kontextmenüs) erzeugen, würden alle dort abgelegten Elemente über denen der Spuren 1 und 2, also noch über dem Titel angezeigt. |
Die Ziehpunkte auf der Linie nennt man in MainActor Keyframes oder kurz Keys (Schlüsselbilder). Sie repräsentieren die Bilder im Film, ab denen eine neue Einstellung gilt. Beide Keyframes können frei und unabhängig voneinander auf der Polylinie verschoben werden. Erzeugen Sie zwei weitere Keyframes und formen Sie mit ihnen eine Kurve wie in Abbildung 5: Der erste Keyframe fängt am ersten Bild des Textes mit voller Transparenz an. Der zweite Keyframe markiert das Bild, an dem die volle Deckkraft erreicht ist.
An dieser Stelle zeigt MainActor eine seiner Schwächen: Durch die Trennung der Zeitleiste und der Polylinie in zwei Fenster, kann man nicht direkt feststellen, welchem Bild welcher Keyframe entspricht und umgekehrt. Damit dieses Vorhaben nicht vollends als Puzzlespiel endet, gibt es den so genannten Slider. Dies ist die kleine grüne, senkrechte Linie, die eine Schwester im Timeline-Fenster hat. Wenn Sie im Timeline-Fenster eine Stelle auf der Zeitskala anklicken, springt der Slider dorthin und das Bild unter ihm wird im Vorschaufenster angezeigt. Möchten Sie die Keyframes bildgenau positionieren, fahren Sie zunächst mit dem Slider an die entsprechende Stelle und schieben dann den zugehörigen Keyframe auf die grüne Linie.
Als erstes sollte die Grafik die gleichen Abmessungen wie das Video haben. Heutige Videokameras für den Heimgebrauch verwenden meist das digitale DV-Aufzeichnungsformat, das in Deutschland eine Bildgröße von 720 mal 576 Pixeln hat. Hat die Grafik andere Abmessungen, presst sie MainActor nach dem Import automatisch in dieses Format, und die Grafik erscheint verzerrt.
Haben Sie ein Titellogo erstellt, speichern Sie es und wechseln wieder zu MainActor. Auf dem Projekt-Reiter im Browserfenster fügen Sie das Bild über den Eintrag Multimediadateien hinzufügen im Kontextmenü der rechten Maustaste dem Projekt hinzu.
Das Ausstanzen erledigt der Effekt Color Keyer. Sie finden ihn im Browser im Register Effekte unter Standard. Ziehen Sie sein Symbol auf das Bild mit dem Titellogo in der Zeitleiste. MainActor zeigt durch einen kleinen Balken an, dass der Effekt zugewiesen wurde. Führen Sie auf ihm einen Doppelklick aus. Sofern im Effekte-Fenster noch die Eigenschaften des 2D-Textes angezeigt werden, entfernen Sie den zugehörigen Eintrag über den X-Knopf. Hierdurch verbannen Sie die nicht mehr relevanten Einstellungen aus Ihrem Blickfeld.
Zunächst muss im Color Keyer die Farbe ausgewählt werden, die MainActor durch den Hintergrund ersetzt. Dazu klicken Sie zunächst auf den Farbbalken. Im neu geöffneten Fenster wählen Sie entweder die Farbe direkt mit der Maus oder Sie klicken auf die Pipette und anschließend auf einen Punkt im Vorschaufenster, der die gewünschte Farbe enthält (vgl. Abbildung 8). Nach einem Klick auf OK wird die Vorschau möglicherweise nicht sofort aktualisiert -- dies müssen Sie dann manuell nachholen (vgl Abbildung 8).
Wie schon der Produzent, soll auch das Titellogo sanft ein- und ausgeblendet werden. Dies funktioniert genauso wie schon beim Text: Die Polylinie hinter Opacity ist hier erneut der richtige Anlaufpunkt.
| Kasten 4: Formate, die MainActor unterstützt |
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Import:
DV AVI Multi File *.dzl (mehrere Type 1-Dateien, die zu einem Film gehören); DV AVI Type 1 *.avi; DV AVI Type 2 *.avi; DV DIF *.dif, *.dv (RAW-Format); MJPEG *.avi, *.mjpg, *.mjpeg; MPEG *.mpg, *.mpeg, *.mmv, *mpv, *.dat (MPEG1 und 2, VideoCD);MPEG Audio *.mpa, *.mp2, *.mpg2; Wave Audio *.wav; PNG; JPG; TIFF Export: Videoformate: MPEG 1 und 2; DV AVIGrafikformate: Amiga IFF; Bio-Rad confocal; CompuServe GIF; DKB Ray Tracer; DPX; Explore (TDI) & Maya; Gimp Pattern; ImageMagick; JPEG|JIFF; Jeff's Image Format; Kodak Cineon; MTV RayTracer; PNG; Palm Pilot; Picture Gear Pocket; Portable Bitmap; Portable Greyscale; Portable Image; Portable Network Graphics; Portable Pixmap; Postscript; Psion Serie 3 Bitmap; Psion Serie 5 Bitmap; Qrt Raytracer; Raw; Rayshade; SciTex Continous Tone; Sillicon Graphics RGB; SoftImage TIFF Revision 6; Truevision Targa; VRML2; Vista; Vivid Ray-Tracer; Wavefront Raster file; Windows Bitmap; Windows Icon; Wireless Bitmap (level 0); X11 Bitmap; X11 Pixmap; YUV 16 Bit; YUV 16 Bits Interleaved; ZSoft Multi-Page Paintbrush; ZSoft Publisher's Paintbrush |
Des Weiteren lässt sich der Color Keyer-Effekt auch auf komplette Videosequenzen anwenden. Eine Tagesschaunachbildung etwa ist damit kein Problem mehr.
Generell gilt, dass man Effekte sparsam und wohldosiert einsetzen sollte. Überlegen Sie sich möglichst frühzeitig, ob der erstellte Titel wirklich passend ist: ein knallbuntes, rotierendes und hüpfendes Logo ist für einen Meditationsstreifen vielleicht nicht die erste Wahl.
| Infos |
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[1] Homepage des MainActor-Herstellers MainConcept: http://www.mainconcept.de |
Dieser Online-Artikel kann Links enthalten, die auf nicht mehr vorhandene Seiten verweisen. Wir ändern solche "broken links" nur in wenigen Ausnahmefällen. Der Online-Artikel soll möglichst unverändert der gedruckten Fassung entsprechen.
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