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Videos konvertieren und bearbeiten mit transcodeVerwandlungskünstlervon Jörn Reder |
Wir geben hier eine kurze Einführung in die Arbeitsweise von transcode und erläutern dann anhand praxisbezogener Beispiele die wichtigsten Features und Optionen, die transcode zur Videobearbeitung anbietet. Einige Tabellen geben darüber hinaus einen Überblick über die zahlreichen Module, die transcode für verschiedene Spezialanwendungen kennt.
| Hinweise zur transcode Installation |
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Wer eine Linux Distribution einsetzt, für die es ein fertiges transcode-Paket gibt, sollte in jedem Fall von diesem Gebrauch machen. Das Kompilieren von transcode ist für Unerfahrene nur schwer zu bewältigen, aufgrund der Masse von Bibliotheken, die hierzu installiert sein müssen. Der Debian Paketmanager z.B. listet 44 Pakete von denen transcode abhängt. In Tabelle 1 zählen wir die Webseiten auf, die fertige transcode Pakete für die gängigen Linux Distributionen anbieten. Die stabile Version von transcode ist 0.6.12, wurde im Januar veröffentlicht und ist die Grundlage dieses Artikels. Es gibt ein offizielles CVS Repository [3], welches aber auch schon seit einigen Monaten nicht mehr aktiv gepflegt wird. Derzeit gibt es hier einen Maintainer-Wechsel, dessen Umstände leider nicht ganz klar sind, weil der offizielle Maintainer derzeit nicht erreichbar ist. Die aktuell gepflegte Version gibt es im CVS unter [4], diese ist für eigene Experimente zu empfehlen. Es bleibt zu hoffen, dass es hier keine endgültige Aufspaltung der Entwicklungszweige gibt, sondern sich die Maintainer auf eine einheitliche Version einigen können. |
| Tabelle 1: Installationspakete für transcode | |
| Debian | ftp://ftp.nerim.net/debian-marillat/index.html |
| Gentoo | http://packages.gentoo.org/ |
| RedHat | http://freshrpms.net/ |
| Mandrake | http://plf.zarb.org/ |
| SuSE | http://packman.links2linux.org/ |
Wer bei einem Programm zur Videokonvertierung eine schöne bunte Oberfläche erwartet, wird von transcode enttäuscht. transcode ist ein reines Konsolenprogramm, welches über etliche Kommandozeilenparameter gesteuert wird. Damit ist es sehr flexibel einsetzbar aber naturgemäß auch etwas sperrig in der Bedienung. In Tabelle 4 listen wir einige transcode Frontends auf, die aber nur spezielle Eigenschaften von transcode in eine komfortable Benutzeroberfläche gießen und somit nie ganz die Kommandozeile ersetzen können.
| Tabelle 4: transcode Frontends | |
| Hier eine Liste einiger ausgewählter transcode Frontends, die für jeweils auf spezielle Aufgaben zugeschnitten sind und einem die etwas sperrige Bedienung über Kommandozeilenoptionen abnehmen. | |
| dvd::rip | http://www.exit1.org/dvdrip/ - Grafische Oberfläche spezialisiert auf das Kopieren von DVDs. |
| g4l | http://gv4l.sourceforge.net/ - Grafisches transcode V4L Frontend zum Verarbeiten von TV Videomaterial |
| ripmake | http://www.lallafa.de/bp/ripmake.html - Kommandozeilenprogramm, welches viele gängige transcode Anwendungen vereinfacht. |
Unter der Haube verfolgt transcode ein streng modulares Konzept. Die wichtigen Funktionen sind in externe Module ausgegliedert, die nur bei tatsächlichem Bedarf geladen werden. In Tabelle 2 haben wir die wichtigsten Module aufgelistet. Dabei sind drei Arten von Modulen zu unterscheiden:
| Tabelle 2: Wichtige transcode Module | |
| Zunächst einige ausgewählte transcode Eingabe Module. Die Module werden in transcode mit -x VIDEOMODUL,AUDIOMODUL aktiviert. Wenn man die -x Option weglässt, erkennt transcode das Format i.d.R. automatisch. | |
| dvd | Direktes Einlesen einer Video DVD; die -i Option muss ein Gerätedateiname oder der Name eines Verzeichnisses mit einer DVD Verzeichnisstruktur sein. |
| vob | Einlesen einer DVD VOB Datei; diese kann zuvor mit transcodes tccat Befehl erstellt worden sein. |
| dv | Einlesen von DV Video |
| ffmpeg | Zugriff auf alle Eingabe Codecs, die von der ffmpeg Bibliothek unterstützt werden. Die genaue Formaterkennung erfolgt automatisch. |
| mplayer | mplayer wird aufgerufen, um das Video zu dekodieren. Damit können alle Codecs verarbeitet werden, die von mplayer unterstützt werden. |
| v4l / v4l2 | Direktes Einlesen eines Videosignals von einem Video4Linux Gerät, z.B. einer TV-Karte |
| xvid | Einlesen von MPEG4 Video |
| mpeg2 | MPEG Video Import |
| Es folgt eine Liste ausgewählter transcode Ausgabe Module. Die Module werden in transcode mit der -y VIDEOMODUL,AUDIOMODUL aktiviert. | |
| xvid / xvid4 | Der XviD Codec schreibt ein MPEG4 Format. transcode unterstützt verschiedene Versionen der Bibiliothek. Bei transcode 0.6.12 ist xvid 0.9 die Default-Einstellung. Empfohlen ist mit dem xvid4 Modul die aktuelle 1.0 Version von XviD zu verwenden. |
| divx5 | Verwendung des kommerziellen divx.com Codecs. Obwohl dieser Codec nativ für Linux zur Verfügung steht, ist er aufgrund diverser Bugs und der Tatsache, dass er Closed Source ist, nicht zu empfehlen. |
| ffmpeg | Alle von der ffmpeg Bibliothek unterstützten Codecs. Eine Liste der verfügbaren Codecs kann mit transcode -y ffmpeg -F list ermittelt werden. Der gewünschte Codec wird dann ebenfalls mit der -F Option ausgewählt. |
| mpeg2enc,mp2enc | MPEG2 Video, MP2 Audio. Die dabei entstehenden .m2v und .m2a Dateien können mit tcmplex zu einer .mpeg Datei zusammengefügt werden. Es werden alle wichtigen Profile von VCD, über SVCD bis DVD unterstützt. |
| wav | Reines Audio Export Modul zum Erzeugen von .wav Dateien. |
| Hier eine Liste einiger ausgewählter transcode Filter. Nähere Informationen über die Filter können mit dem Befehl tcmodinfo -i FILTERNAME ermittelt werden. Bei transcode werden die Filter mit der Option -J FILTERNAME aktiviert. | |
| 32detect | Detektion von Frames, die interlaced gespeichert sind; Option verbose=1 muss mit angegeben werden; zur Kontrolle, ob Deinterlacing notwendig ist, oder nicht. |
| smartdeinter | Deinterlacer; optimiert für den RGB Farbraum; Portierung von VirtualDub's "smart deinterlacer" |
| smartyuv | Abwandlung von smartdeinter; optimiert für den YUV Farbraum, muss mit Option -V verwendet werden |
| modfps | Frameratenkonvertierung (z.B. PAL<->NTSC); Ziel-Framerate mit --export_fps angeben |
| logo | Applizierung eines festen Logos auf dem Bild |
| logoaway | Entfernung eines Senderlogos aus dem Bild |
| normalize | Normalisierung des Lautstärkepegels |
| yuvdenoise | Video Entrauschung; optimiert für den YUV Farbraum, muss mit Option -V verwendet werden |
| detectclipping | Ermittelt -j bzw. -Y Option zum Herausschneiden schwarzer Balken |
| pv | Preview-Fenster; der X-Server muss über die XV Extension verfügen |
Im nächsten Schritt können Filtermodule die vom Eingabemodul gelieferten Rohdaten verändern. Filter können nicht nur Bild- und Tondaten sicht- bzw. hörbar verändern, sondern auch neue Frames erzeugen, verwerfen und somit sogar Einfluss auf die Synchronisation von Bild und Ton nehmen.
Im letzten Schritt werden die Daten dann an ein oder mehrere Ausgabemodule übergeben, die für die Kodierung der Daten mittels Video- und Audio-Codecs verantwortlich sind und entsprechende Ausgabedateien erzeugen.
Nehmen wir z.B. die Aufgabenstellung eine MPEG Datei, ob Version 1 oder 2 spielt hier keine Rolle, möglichst unverändert in eine MPEG4 AVI Datei zu verwandeln. Hier bietet es sich an, die nativ für Linux vorhandene XviD Bibliothek zu nutzen, die auch direkt von transcode angesprochen werden kann. Sie ist schnell, zuverlässig und steht den kommerziellen Kodierern in der Qualität in nichts nach, ganz im Gegenteil.
transcode -V -i quelldatei.mpeg -o zieldatei.avi -y xvid4 -w 500 -b 48
Anhand dieser einfachen Kommandozeile sieht man gleich die wichtigsten Optionen: -i und -o bestimmen Eingabe- und Ausgabedateien, -y legt den Video Exportfilter auf xvid4 fest und -w setzt die zu verwendende Videobitrate auf 500 kbit/s. Per Default wird Audio als MP3 mit 128 kbit/s exportiert. Die -b Option legt die Bitrate hier auf 48 kbit/s fest. -V weist transcode an, intern im YUV Farbraum zu arbeiten, statt im RGB Farbraum. Damit laufen die internen Berechnungen um fast ein Drittel schneller ab. Es gibt allerdings einige Filter, die nur RGB beherrschen. Versucht man es dann mit -V quittiert transcode das mit einer Fehlermeldung.
Zur Videobitrate muss noch mehr gesagt werden, da sie entscheidend für die Qualität des erzeugten Videos ist, im Zusammenhang mit weiteren Parametern, wie der Höhe und Breite der Frames, sowie der Anzahl von Frames pro Sekunde. Damit lässt sich der so genannte BPP Wert (Bits Per Pixel) berechnen: Bitrate * 1000 / (Höhe * Breite * Framerate).
Letztlich hängt die Qualität natürlich entscheidend vom Videomaterial selbst ab (schnelle/langsame Szenen, viel/wenig Kontraste etc.), aber als Daumenregel gilt: BPP Werte um 0.20 ergeben eine gute Qualität, bei der kaum Artefakte zu sehen sein sollten. Alles unter 0.15 ergibt sichtbare Störungen im Bild. Hier sollte man die Bitrate besser erhöhen. transcode selbst gibt den BPP Wert zu den aktuell vorgenommen Einstellungen aus (in der Zeile "V: bits/pixel"). Ist der Wert zu niedrig kann man transcode einfach mit [Strg+C] abbrechen und es mit einer höheren Video-Bitrate erneut versuchen.
Bei allen MPEG4 Codecs unterstützt transcode das Multipass-Verfahren. Um eine optimale Bitratenverteilung über das gesamte Video zu erhalten, wird in einem ersten Lauf das Videomaterial nur analysiert und eine Log-Datei dazu geschrieben. In einem zweiten Lauf wird dann diese Log-Datei eingelesen und die endgültige Video-Kodierung vorgenommen. Mit der Option -R schaltet man dies ein und gibt dabei an, ob man den ersten oder zweiten Lauf durchführen möchte. Erweitern wir das erste Beispiel entsprechend:
transcode -V -i quelldatei.mpeg -o zieldatei.avi -y xvid4,null -w 500 -b 128 -R 1 transcode -V -i quelldatei.mpeg -o zieldatei.avi -y xvid4 -w 500 -b 128 -R 2
Da beim ersten Lauf nur die Videoanalyse von Interesse ist, haben wir mit -y xvid4,null den Audio Export ganz abgeschaltet, das beschleunigt diesen Lauf um bis zu 10%.
Da gute Ergebnisse in der Videokonvertierung entscheidend vom Ausgangsmaterial abhängen, liefert transcode Werkzeuge mit, um Videodateien zu analysieren und deren wichtigsten technischen Eigenschaften auszugeben. Das Kommando tcprobe gibt hier einen schnellen Überblick, siehe Beispiel in Kasten 1.
| Kasten 1: Ausgabe von tcprobe |
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% tcprobe -i quelldatei.mpeg
[tcprobe] MPEG program stream (PS)
[tcprobe] summary for quelldatei.mpeg, (*) = not default, 0 = not detected
import frame size: -g 320x240 [720x576] (*)
aspect ratio: 1:1
frame rate: -f 29.970 [25.000] frc=4 (*)
audio track: -a 0 [0] -e 44100,16,1 [48000,16,2] -n 0x50 [0x2000] (*)
PTS=370.6876, bitrate=48 kbps
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Diese Datei hat also eine Auflösung von 320x240 Pixeln und eine NTSC Framerate von 29.97 Bildern pro Sekunde. Es gibt eine Audiospur mit 44.1 khz, 16 Bit Sample-Breite, die Mono vorliegt (zu erkennen an -e 44100,16,1 - bei Stereo stünde hinten eine 2). Audio ist MP2 kodiert - leider ist dies nicht ganz offensichtlich, da man dies aus der Angabe -n 0x50 ableiten muss. 0x55 bedeutet MP3, 0x2000 AC3 Kodierung. Die Audio Bitrate ist mit 48 kbit/s vorgegeben. Hier zeigt sich auch, warum wir die Audiobitrate in unserem Beispiel auf 48khz gesetzt haben: die Rate wieder zu erhöhen kann keinen Qualitätsgewinn bringen. Was beim ersten Kodieren verloren gegangen ist, kann nicht mehr gerettet werden, auch nicht bei der Verwendung eines besseren Codecs.
In eckigen Klammern gibt tcprobe die Default-Einstellungen aus, mit denen transcode arbeitet, wenn es eine Eigenschaft nicht selbst erkennen kann - was aber eigentlich nur bei Rohformaten vorkommt, die keine Formatinformationen in der Datei selbst speichern.
Eine weitere oft benötige Anwendung ist das Skalieren des Bildmaterials, z.B. um eine Vorschau-Version einer größeren Datei zum Herunterladen auf einer Webseite anzubieten. Hier gibt es in transcode verschiedene Möglichkeiten, die einfachste geht über die -Z Option. Wir entwickeln unser Beispiel fort, lassen aber der Einfachheit halber das Multipass-Verfahren (die -R Option) dabei weg. Um Höhe und Breite des Bildes auf 160x120 zu halbieren, verwenden wir diesen Befehl:
transcode -V -i quelldatei.mpeg -o zieldatei_klein.avi -y xvid4 -w 125 -b 48 -Z 160x120,fast
Der -Z Option übergibt man Breite x Höhe. Das angehängte ,fast bewirkt, dass intern ein beschleunigter Skalierungsalgorithmus verwendet wird. Dieser kann leichte Qualitätseinbußen zur Folge haben - diese sind aber in aller Regel nicht sichtbar. Der beschleunigte Modus bringt auch weitere Einschränkungen mit; so müssen Breite/Höhe des Bildes durch 8 teilbar sein, ansonsten wird automatisch wieder mit der langsameren Methode gearbeitet.
Ein wichtiges Detail ist die Reduzierung der Videobitrate (-w 125): da sowohl Breite als auch Höhe halbiert wurden, haben wir nur noch ein Viertel der Bildfläche und benötigen demnach auch nur noch ein Viertel der Bitrate.
Wer den digitalen Linux Videorecorder VDR betreibt, möchte vielleicht hin und wieder VDR Aufnahmen in einem höher komprimierenden Format als MPEG2, z.B. mit XviD, archivieren. Hier hilft transcode natürlich weiter, allerdings bedarf es zunächst noch Schützenhilfe von vdrsync [2]. Die VDR Dateien können zwar von transcode direkt verarbeitet werden, allerdings gibt es dann Probleme mit der Synchronisation von Audio und Video, die vdrsync im Vorfeld löst. vdrsync bringt bereits transcode Unterstützung mit, die ist aber sehr rudimentär, so dass man sich besser selbst mit den entsprechenden Funktionen beschäftigt.
vdrsync.pl /vdrdata/Dragonheart/2004-08-08.20\:13.50.50.rec/
Dieser Aufruf erzeugt aus der VDR Aufnahme zwei Dateien, die getrennt Video und Audio beinhalten. Die Namen können variieren, in diesem Beispiel wurden die Videodatei e4.mpv und die Audiodatei c0.mpa erzeugt. Beide Dateien lassen sich nun mit transcode weiterverarbeiten.
In diesem Beispiel liegt der Film liegt im Letterbox Format vor, d.h. es gibt schwarze Balken am oberen und unteren Bildrand, die in der Zieldatei nur unnötig Platz verschwenden. Das Entfernen dieser Balken läuft in zwei Schritten ab. Zunächst muss analysiert werden, wo die Balken genau positioniert bzw. wie groß sie sind. Das geht mit dem transcode Filter detectclipping:
transcode -V -i e4.mpv -J detectclipping ... [detectclipping#0] valid area: X: 9..712 Y: 57..519 -> -j 58,10,56,6 ...
Jedes Frame wird analysiert und als Ergebnis eine Zeile ausgegeben. Wenn diese Zeile sich nicht mehr verändert, hat transcode wohl die richtigen Einstellungen gefunden. D.h. hier werden mit -j 58,10,56,6 die schwarzen Balken entfernt: 58 Zeilen oben, 10 Zeilen links, 56 Zeilen unten und 6 Zeilen rechts.
Diese Werte können wir aber leider so nicht direkt übernehmen, weil damit die endgültige Bildgröße nicht mehr durch 16 teilbar wäre; eine Voraussetzung, die für die meisten Kodierer aber erfüllt sein muss, so auch für XviD. Der Einfachheit halber schneiden wir die wenigen Pixel links und rechts gar nicht, sondern nur oben und unten. Wenn wir nun auf 56 statt 58 Zeilen gehen, macht das insgesamt 112 Zeilen weniger. 576 PAL Zeilen minus 112 ist 464, durch 16 teilbar - prima. Das ergibt -j 56,0,56,0, was man kürzer auch -j 56 schreiben kann, weil per Default immer symmetrisch geschnitten wird.
Als nächstes rücken wir dem Zeilensprungverfahren zuleibe, im Fachjargon Interlacing genannt. Bei diesem Videoformat werden abwechselnd die geraden und ungeraden Zeilen des Bildes kodiert, was der Darstellung auf einem Fernsehgerät entgegen kommt. Bei der Wiedergabe am PC Monitor stört das aber, da sich hier sehr schnell störende Fransen an bewegten Objekten bilden, gut zu sehen in Abbildung 1. Deshalb bearbeiten wir das Videomaterial mit einem Deinterlacer - dessen Effekt zeigt Abbildung 2.
Zunächst müssen wir aber feststellen, ob das Videomaterial überhaupt Frames mit Interlacing hat. Das geht mit dem Filter 32detect:
transcode -V -i e4.mpv -J 32detect=verbose=1 ... (0) frame [000086]: (1) = 2141 | (2) = 2161 | (3) = 10 | interlaced = yes ...
Für jedes Frame werden entsprechende Zeilen ausgegeben. Erscheinen Frames mit der Angabe interlaced = yes, müssen wir der Aufnahme mit einem Deinterlacer Filter zuleibe rücken. Falls nicht, können wir und das sparen, was bei der Umrechnung eine deutliche Zeitersparnis mitbringt.
In transcode bietet sich der smartyuv Filter an, eine auf den YUV Farbraum geschwindigkeitsoptimierte Variante des vom VirtualDub Windows Programm bekannten "smart deinterlacer" Filters. Dieser Filter hat etliche Optionen, mit denen man herumspielen kann. Die Defaulteinstellungen erfüllen aber in den meisten Fällen ihren Zweck.
Als nächstes möchten wir bei der Archivierung zusätzlich Platz sparen und das Bild verkleinern. Nun wird es aber nochmal knifflig: PAL Videomaterial bei 720x576 ist stets anamorph verzerrt, d.h. bei 720x576 Pixel haben wir ja gar kein Seitenverhältnis von 4:3, sondern von 5:4. Der Videoabspieler entzerrt dies automatisch, aber unsere AVI Datei soll 1:1 abspielbar sein. Noch extremer ist die Verzerrung natürlich bei 16:9 ausgestrahlten Sendungen. Die nun folgende Berechnung lässt sich darauf ebenso anwenden, statt 5:4 muss nur jeweils 16:9 eingesetzt werden. Die Abbildungen 3 bis 6 verdeutlichen die einzelnen Rechenschritte.
Zunächst entzerren wir das Bild. Da wir eine 4:3 Aufnahme in einem Bild mit dem Seitenverhältnis 5:4 (720:576) haben, verbreitern wir das Bild um den Faktor (4/3)/(5/4), d.h. machen es gut 6% breiter und kommen somit auf 768 Pixel. Dann schneiden wir die beiden schwarzen Balken ab und kommen so auf eine Höhe von 464 Pixeln (464 = 576-56*2).
Das Bild von 768x464 möchten wir nun verkleinern, auf eine Breite von 640 Pixel, dividieren also durch 1.2 und erhalten 640x386. Wegen der 16 Teilbarkeit müssen wir die Zeilenzahl auf 384 reduzieren, was einen minimalen aber nicht sichtbaren Verzerrungsfehler ergibt.
All dies zusammen genommen ergibt sich für das Transkodieren unserer VDR Aufnahme folgende Kommandozeile:
transcode -V -i e4.mpv -p c0.mpa -o zieldatei.avi -y xvid4 -w 1650 -j 56 -J smartyuv -Z 640x384,fast
Neu bei dieser Befehlszeile ist die -p Option zur Angabe der Audiodatei. Dies ist nötig, da ja in diesem Fall Video und Audio in getrennten Dateien vorliegen. Man kann mit vdrsync auch eine fertige MPEG Program Stream Datei erzeugen lassen - das haben wir uns hier aber gespart, weil der Videoteil ja eh modifiziert werden sollte. Aus der Videobitrate von 1650 resultiert bei der hier gewählten Auflösung ein BPP Wert von 0.267, was eine hinreichend gute Qualität ergibt.
Die Flexibilität und Mächtigkeit von transcode hat ihren Preis: im Rahmen dieses Artikels kann nur ein Bruchteil der Funktionalität beschrieben werden. Um aber doch noch einen Eindruck davon zu vermitteln, haben wir in Tabelle 2 einige wichtige transcode Module aufgelistet, die ähnlich wie die hier vorgestellten Module verwendet werden können. transcode bringt zusätzlich noch eine ganze Reihe von praktischen Kommandozeilen-Werkzeugen mit, die wir in Tabelle 3 kurz vorstellen. Damit lassen sich z.B. mit transcode erstellte AVI Dateien schneiden und wieder zusammenfügen und vieles mehr.
| Tabelle 3: transcode Programme | |
| transcode bringt eine ganze Reihe zusätzlicher Programme mit, die für die Verarbeitung von Videodateien nützlich sind. | |
| tccat | Liest Quelldateien ein und gibt diese auf der Standardausgabe wieder aus; wird intern von transcode benutzt, kann aber z.B. auch zum Auslesen von DVD Titeln verwendet werden. |
| tcscan | Analysiert eine Eingabedatei und gibt einige Informationen darüber aus; kann insbesondere zur Bestimmung der max. Lautstärke in einer Tonspur verwendet werden. |
| tcmodinfo | Gibt eine Dokumentation der Optionen eines transcode Filter Moduls aus. |
| tcprobe | Analysiert eine Eingabedatei und gibt die wichtigsten technischen Eigenschaften aus; Vor der Verarbeitung mit transcode sollte immer eine tcprobe Analyse stehen, um mit den richtigen Einstellungen arbeiten zu können. |
| tcrequant | MPEG Requantisierer; Reduziert die Bitrate einer MPEG Datei, ohne eine echte Neukodierung vorzunehmen; bringt hochqualitative Ergebnisse in kurzer Zeit. |
| tcmplex | MPEG Multiplexing von MPEG Elementary Streams (Video + Audio) zu einem MPEG Program/System Stream. |
| avimerge | Verbinden mehrerer AVI Dateien zu einer größeren AVI Datei. |
| avisplit | Aufteilen einer AVI Datei zu mehreren kleineren AVI Dateien. |
Weiterhin gibt es eine recht große Gemeinde von transcode Nutzern und Entwicklern, die über die transcode Mailinglisten [3] zu erreichen sind und schnell Hilfe und Lösungen für die verschiedensten Problemstellungen bieten können.
| Infos |
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[1] http://www.transcoding.org/: Homepage von transcode
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| Der Autor |
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Jörn Reder ist Open-Source-Verfechter und begeisterter Perl-Entwickler und hat als Autor des transcode Frontends dvd::rip viele Erfahrungen mit transcode sammeln können. Er arbeitet für die dimedis GmbH in Köln, und entwickelt dort schwerpunktmäßig Internet-Datenbankanwendungen. |
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Last modified: 2008-04-22 14:00
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