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Erschienen in LinuxUser 01/2006   »   Ausgabe bestellen

Distribits

Der kleine Heimserver

Slampp (http://slampp.abangadek.com) ist eine Live-Distribution mit allen Programmen zum Aufsetzen eines Servers oder für den Aufbau eines kleinen Netzwerks. Die Distribution hat daneben Desktop-Programme wie Firefox, Gimp, Abiword und Gnumeric an Bord, was herkömmliches Arbeiten am PC ermöglicht. Als Desktop dient Xfce in aktueller Version.

Beim Servereinsatz gibt sich Slampp vielseitig: IMAP, POP, SMTP, SSH, DHCP, HTTP und FTP machen die Server-Auswahl aus. Ein MySQL und ein Samba-Server laufen ebenfalls sofort nach dem Start. Bei sovielen Diensten sind die integrierte Firewall und ein Virenscanners nützliche Beigaben.

Nutzer denen das Slampp-Angebot nicht ausreicht, erweitern die Distribution um eigene Programme. Alle dazu notwendigen Werkzeuge finden sich auf der CD. Als weitere Option bindet der Benutzer eigene Dateien ein und brennt die Distribution dann neu auf CD. Die eigene Webpräsenz bietet sich für dieses Daten-Feature an. Alle Einstellungen und Daten lassen sich auch auf der Festplatte oder einem USB-Stick speichern. Die Installation auf der Festplatte ist ebenfalls möglich.

Slampp bringt neben Serversoftware auch Desktop-Programme mit.

Minix auf dem 100-Dollar-Laptop

Die Entwickler von Minix (http://www.minix3.org) haben Version 3.1 des kompakten Unix-Clones fertig gestellt. Andrew Tannenbaum veröffentlichte 1987 zum ersten Mal eine Version des Systems, dass er für Lehrzwecke herstellte. Minix 3 hingegen tritt als ein vollwertiges Betriebssystem für Rechner mit alter oder schwachbrüstiger Hardware an.

Minix benötigt einen PC mit mindestens 386er-Prozessor und 16 MByte Arbeitsspeicher. Eine Version für acht MByte RAM steht ebenfalls bereit. Auf der Festplatte verbraucht das System mindestens 200 MByte Platz; eine komplette Installation erfordert 400 MByte Plattenplatz.

Die Installations-CD dient auch als Live-CD, um das System gefahrlos auszuprobieren. Auf der Minix-Homepage finden sich auch Images für USB-Sticks; an die für ganz alte Schätzchen notwendigen Startdisketten haben die Entwickler ebenfalls gedacht.

Minix ist noch lange nicht fertig: Die Entwickler suchen noch Helfer, etwa zum Portieren des Systems auf andere Architekturen wie ARM und PowerPC.

Kindgerechte Distribution

Die ASAR GmbH hat mit Klixxa (http://www.klixxa.de) eine auf Knoppix-basierende Live-CD herausgegeben, die sich speziell an Kinder richtet. Das System enthält mehr als 100 Spiel- und Lernprogramme für die Altersgruppe von zwei bis zwölf Jahren. Der Zugang zum Internet läuft über einen sogenannten Kinder-Proxy des Unternehmens. Dieser zeigt nur Seiten an, die die Firma für geeignet hält.

Die Kinder selbst haben keine Möglichkeit, den Proxy-Eintrag zu verändern. Alle administrativen Aufgaben erledigen die Eltern in einem passwortgeschützten Konfigurationsprogramm. Die Firma verkauft Klixxa für rund 20 Euro über den Buchhandel und im Direktvertrieb.

FreeBSD für den Schreibtisch

PC-BSD (http://www.pcbsd.org), ein speziell auf die Bedürfnisse von Desktop-Benutzern zugeschnittener FreeBSD-Ableger, erschien in einem ersten Release-Kandidaten. Die Version 1.0RC1 erfordert allerdings eine Neuinstallation an, da sie nicht zur Vorgängerversion 0.8.3 kompatibel ist.

Die Distribution steht in Form zweier ISO-Images auf der Homepage des Projekts zum Download bereit. Neben der Version für x86 planen die Entwickler auch eine Variante für AMD64. Das Sytem baut um den Kern von FreeBSD ein Desktop-System mit KDE 3.4.3 und X.org 6.8. Ein grafischer Installer übernimmt das Einrichten des Systems. Diesem galt auch die Hauptarbeit seit der letzten Version in Form einer besseren Hardware-Erkennung.

Grafikers Werkzeugkasten

Mit Grafpup (http://grafpup.com) hat Nathan Fisher eine Live-Distribution zusammen gestellt, die vor allem Werkzeuge zum Bearbeiten von Grafiken enthält. Das System basiert auf Puppy Linux (http://www.puppylinux.org) und ist lediglich 72 MByte groß. Als Windowmanager kommt Icewm zum Einsatz.

Mit den Programmen Gimp für Pixelgrafiken, Inkscape für Vectorzeichnungen, Cinepaint für Animationen und Scribus als DTP-Programm deckt die schlanke Distribution die wichtigsten Bereiche ab. Zum Brennen von CDs und DVDs offeriert sie das Programm Graveman. Da sich das System nach dem Start auf Wunsch vollständig in den Arbeitsspeicher kopiert, starten auch größere Programme wie Scribus sehr schnell.

Von Puppy erbt Grafpup die Fähigkeit, fertig gepackte Programmmodule nachzuinstallieren. Ganz neue Module enthalten ein aktuelles KDE und OpenOffice 2. Nach einer Installation auf die Festplatte besteht die Möglickeit, das System mit Software aus der reichhaltigen Auswahl von Puppy zu erweitern.

Grafpup bringt die wichtigsten Werkzeuge zum Bearbeiten von Grafiken mit.

Stühlerücken bei Novell geht weiter

Nachdem Richard Seibt bereits im Sommer die Firma verlassen hat, scheidet mit Hubert Mantel ein Suse-Urgestein aus dem Vorstand von Novell aus. Mantel verlässt die Firma auf eigenen Wunsch. Damit zieht er die Konsequenz aus der von Novell angekündigten Fokussierung des Unternehmens auf Gnome als primären Desktop.

Er hatte Suse im September 1992 zusammen mit Burchard Steinbild, Roland Dyroff und Thomas Fehr gegründet. Das erste Linux-Produkt war eine an deutsche Verhältnisse angepasste Slackware-Version, die Suse zusammen mit dem Slackware-Gründer Patrick Volkerding lokalisierte und auf 40 Disketten an den Mann brachte. Im Juni 1996 lieferte das Unternehmen die erste eigene Distribution aus: Suse 4.2.

Als Novell vor zwei Jahren Suse aufkaufte, blieb Mantel zunächst im Unternehmen. An der Spitze von Novell gibt es neben Mantels Ausscheiden eine weitere Personalie: Als neuer CEO des Unternehmens tritt Ron Hovsepain an, der bisher als Novell Executive Vice President und President Worldwide Field Operations arbeitete. Er verantwortet in seiner neuen Funktion Produktentwicklung, Marketing und Consuling- und Technikdienstleistungen.

Freie Solaris-Distribution

Unter dem Namen Nexenta (http://www.gnusolaris.org/) entwickelt ein Team von Debian-Entwicklern eine Distribution, die auf den Kern von OpenSolaris (http://www.opensolaris.org) von Sun aufbaut. Alle Teile außer dem Kern stammen aus der aktuellen Debian-Distribution. Als Desktop kommt bei dieser Version Gnome zum Einsatz.

Zur Zeit benutzt Nexenta ein eigenes Installationsprogramm. Einen Wechsel auf den Debian-Installer planen die Entwickler für kommende Versionen. Eine erste Alpha-Version steht als Live-CD und Installations-CD für x86 und x64-Systeme auf der Projekt-Homepage zum Download bereit.

Kurz notiert

Sun plant, sein Java Desktop System (JDS) (http://www.sun.com/software/javadesktopsystem/) auch auf anderen Distributionen als Suse Linux anzubieten. Zu diesem Zweck startet das Unternehmen ein Partnerprogramm, das Entwickler von Distributionen wie Debian, Gentoo oder Yellowdog ermuntern soll, JDS zu portieren. Der Desktop besteht aus einem an die Gewohnheiten von Windows-Benutzern angepassten Gnome-Desktop und einigen wenigen Java-Programmen. Sun verspricht, alle Änderungen an das Gnome-Projekt weiterzugeben.

Die International Organization for Standardization (ISO) hat die Linux Standard Base (LSB) (http://www.linuxbase.org) in der Version 2.0.1 als Public Available Specification aufgenommen. Die LSB sorgt mit verschiedenen Vorschriften bei zertifizierten Distributionen für möglichst große Kompatibilität.

Sechs Wochen nach Erscheinen der Boxversion steht die freie Variante von Mandriva Linux 2006 (http://www.mandrivalinux.org) für jedermann zum Download bereit. Auf insgesamt drei CDs oder einer DVD gibt es ein aktuelles System mit Kernel 2.6.12, Gnome 2.10.1, KDE 3.4.2 und X.org 6.9. Als eine der ersten Distributionen integriert Mandriva die Desktop-Suche Kat. Der Ndiswrapper ist im Kernel enthalten, die Distribution unterstützt die Centrino-Chipsätze von Intel vom Start weg. Als Compiler verwendet Mandriva GCC 4.0.1 für alle Pakete.

Die Autoren von Vector Linux (http://www.vectorlinux.com) haben eine erste Beta-Version von Vectorlinux 5.1 SOHO (Small Office, Home Office) fertig gestellt. Die Distribution basiert auf Slackware und besteht nur aus einer CD. Es installiert einen aktuellen KDE-Arbeitsplatz mit OpenOffice 2.0, Firefox und Thunderbird. Als alternativer Desktop steht Xfce 4 zur Verfügung.

Pünktlich zum Erscheinen des ersten Release-Kandidaten von KDE 3.5 gibt es wieder die Live-Distribution Klax (http://ktown.kde.org/~binner/klax/devel.html), die das Ausprobieren des neuen Desktops zu einer gefahrlosen Angelegenheit macht. Neben dem KDE-Desktop enthält Klax das aktuelle KOffice und das CD- und DVD-Brennprogramm K3B in der aktuellen Version.

Red Flag Linux (http://www.redflag-linux.com), eine Distribution mit besonderer Unterstützung für Koreanisch und Chinesisch, ist in Version 5.0 Workstation erschienen. Die Distribution umfasst vier CDs: Die beiden ersten enthalten das Basis-System, die dritte Software zur Verwaltung des Systems und die vierte Werkzeuge zur Software-Entwicklung.

Benutzer und Unterstützer der Distribution Ubuntu haben den Verein Ubuntu Deutschland (http://verein.ubuntu-de.org/) gegründet. Er soll die Aktivitäten rund um Ubuntu in Deutschland koordinieren, sich um den Ausbau eines Ubuntu-Anwenderhandbuches (http://wiki.ubuntuusers.de/Handbuch/) kümmern sowie beim Übersetzen von Dokumentation und Programmen helfen. Obwohl im Vereinsnamen nicht ausdrücklich erwähnt, laden die Gründer auch Nutzer von Kubuntu zur Mitarbeit ein. Ubuntu Deutschland strebt die Gemeinnützigkeit an, um Spenden an den Verein steuerlich absetzbar zu machen.

Xandros hat die deutsche Version von Xandros Desktop OS 3.1 (http://de.xandros.com) fertig gestellt. Als Basis kommt Debian zum Einsatz, als Desktop KDE, der um Thunderbird, Firefox und OpenOffice 2 ergänzt ist. Das System verschlüsselt automatisch die Home-Verzeichnisse der Benutzer, ein Personal-Firewall-Wizard ermöglicht das Absichern des Systems gegen Gefahren aus dem Internet. Mit dem ebenfalls enthaltenen CrossOver Office von Codeweavers lassen sich Windows-Programme wie MS Office, Photoshop oder Lotus Notes unter Linux betreiben. Xandros Desktop OS richtet sich an Privatanwender und Firmen.


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