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Mirko Dölle
| Readme |
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Dieser Artikel führt Sie in die grundlegende Bedienung des digitalen Videorekorder-Systems VDR ein und beschreibt die Vorzüge und Nachteile der aktuellen Stable- und Devel-Versionen. |
Im digitalen Zeitalter haben es analoge VHS-Videorekorder schwer, mit den Funktionen und der Qualität ihrer digitalen Konkurrenten mitzuhalten. Während über Satellit fast DVD-taugliche Digitalkanäle zur Verfügung stehen, zeichnen VHS-Rekorder mit gerade einmal 200 Zeilen nur einen Bruchteil der Bildinformationen auf. Mit dem digitalen Videorekorder VDR [1] hingegen, einem Linux-Programm, zeichnen Sie die volle Qualität auf und schneiden sogar verlustfrei.
Voraussetzung dafür ist, dass Sie eine so genannte Full-Featured- oder Premium-Empfangskarte für DVB eingebaut haben. Im Gegensatz zu den deutlich günstigeren Budget-DVB-Karten, die lediglich über den Empfangsteil verfügen, besitzen die Full-Featured-Karten einen Hardware-MPEG-Decoder, der das Fernsehbild am TV-Anschluss der DVB-Karte fertig zur Verfügung stellt.
Derzeit bereitet das Angebot an Full-Featured-Karten der VDR-Gemeinde arge Kopfschmerzen: Die sehr guten Technotrend-DVB-S-Karten der Revisionen 1.5 und 1.6 gibt es nicht mehr, einzig die Revision 1.3 trifft man noch relativ häufig an. Als Ersatz kommt lediglich die Technotrend DVB-S 2300 in Frage -- sie wird jedoch erst seit Kernel 2.6.14 ausreichend gut unterstützt. Baugleich zur Technotrend DVB-S 2300 ist die Hauppauge Nexus-s Revision 2.3.
Die Wiedergabe über die Grafikkarte, sei es per Xine oder MPlayer, befindet sich noch immer in Entwicklung -- gelegentlich hakt es am Zusammenspiel der VDR-Erweiterungen mit verschiedenen Plugins, so dass Einsteiger nach wie vor zu einer Full-Featured-Karte greifen sollten.
Für die ersten Gehversuche mit VDR greifen Sie am besten auf ein fertiges Paket Ihrer Distribution zurück. Bei Redaktionsschluss war noch immer die Version 1.2.6 vom November 2003 die neueste stabile Release, was nicht bedeutet, dass sich beim VDR-Projekt seit zwei Jahren nichts getan hätte: Klaus Schmidinger arbeitet mit Hochdruck an dem Entwicklerzweig 1.3.x, der in wenigen Wochen zur neuen Stable-Release 1.4 ernannt werden könnte. Wann genau die Version 1.4 erscheinen wird, ist genau wie beim Debian-Projekt nicht vorab bekannt -- ein Zeitplan würde lediglich mehr Druck bedeuten, der kaum in besserem Code enden dürfte.
Suse Linux 10 bringt nach wie vor VDR Version 1.2.6 mit, hält jedoch die Treiber für die DVB-Karten sehr aktuell -- leider fehlt noch die Unterstützung für die neuen Technotrend DVB-S 2300. Für die Grundfunktionen eines digitalen Videorekorders reicht das Suse-Paket von VDR vollends aus: Aufnehmen, Schneiden und Timeshifting sind problemlos möglich.
Für den Einsatz im Wohnzimmer taugen herkömmliche Distributionen jedoch wenig, sie bringen sehr viel Ballast in Form von Diensten und Programmen mit, die ein Videorekorder gar nicht benötigt. So entstanden einige hoch spezialisierte Distributionen wie LinVDR, MiniVDR, VDR4YOU und c't-VDR, deren Einsatzzweck ein eigener Rechner ist, der hauptsächlich oder ausschließlich als Videorekorder dient.
Vor der Installation müssen Sie entscheiden, welcher VDR Ihre Anforderungen am besten abdeckt. Das Suse-10-Paket von VDR lässt sich problemlos per YaST nachinstallieren und ohne weitere Anpassungen direkt nutzen, für die Bedienung am Monitor sollten Sie zudem kvdr nachinstallieren. Wollen Sie die neuesten Funktionen von VDR ausprobieren, müssen Sie eine der Entwicklerversionen selbst übersetzen und installieren. Dazu benötigen Sie von der VDR-Homepage [1] die Quellen und die Pakete aus der Selektion C/C++ Entwicklungswerkzeuge sowie Kernel-Entwicklung. Hinweise zum Übersetzen bekommen Sie in der Datei INSTALL der Quellen, in den meisten Fällen reicht jedoch der Aufruf make REMOTE=LIRC VFAT=1 aus.
Haben Sie VDR ohne Fehlermeldung übersetzt, kopieren Sie das Programm sowie die Konfigurationsdateien an die Orte, die in der Installationsbeschreibung genannt sind. Auch Manpages sind im Quellenverzeichnis enthalten.
Deutlich weniger Aufwand verursacht die Einrichtung der Kompakt-Distribution LinVDR [2]: Es handelt sich dabei um ein komplettes Linux-System, das auf einer bootfähigen CD mit gerade einmal 32 MByte Große Platz findet. Voll installiert umfasst die Distribution mit allen Programmen rund 85 MByte. Voraussetzung ist jedoch, dass Sie über zumindest eine freie Partition oder noch nicht partitionierten Platz auf der Festplatte verfügen. Im Idealfall installieren Sie LinVDR auf einer separaten Festplatte, da es für den alleinigen Einsatz als Videorekorder im Wohnzimmer vorgesehen ist. Die noch immer aktuelle Version 0.7 (Dezember 2004) enthält allerdings noch keinen Treiber für die neuen Technotrend-Karten.
Abhilfe schafft ein LinVDR-Update-Paket [3], bei dem es sich ebenfalls um eine bootfähige CD handelt. Sie können die Update-CD entweder nach der Installation von LinVDR 0.7 booten und dann das gerade installierte System aktualisieren, oder Sie benutzen die Update-CD gleich für die Erstinstallation. In diesem Fall benötigen Sie trotzdem die Installations-CD, die während des Installationsprozesses separat angefordert wird.
LinVDR 0.7 enthält bereits die Entwickler-Version 1.3.17 von VDR, die sich im letzten Jahr als sehr stabil erwiesen hat. Im Gegensatz zur Grundausstattung von Suse Linux 10 bringt LinVDR eine Reihe von Plugins für die DVD-Wiedergabe oder zum Brennen von Aufzeichnungen mit. Neuere VDR-Versionen bekommen Sie von Drittanbietern, wie zum Beispiel Cody, Tarantor und MarcTwain im VDR-Portal [4]. Wie Sie die Zusatzpakete einspielen müssen, unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter und ist meist im Support-Forum beschrieben.
Die Unterschiede zwischen VDR 1.2.6 und der aktuellen Entwickler-Version 1.3.37 fallen teilweise beträchtlich aus. Insbesondere die Bedienung ist einfacher und ansprechender geworden. So beherrscht VDR inzwischen die Verwaltung verschiedener Skins; die Zeiten, in denen man VDR mittels Patch ein neues Aussehen geben musste, sind vorbei. Einen Überblick über die aktuell verfügbaren Skins bietet eine eigene Website [5]. Auch die Neugestaltung eigener Skins stellt dank des text2skin-Plugins von Sascha Volkenandt kein Problem dar: Die Oberfläche wird in einer relativ einfach gehaltenen XML-Datei beschieben und mit grafischen Elementen, die Sie etwa im Gimp herstellen und bearbeiten können, untermalt.
Auch unter der Oberfläche hat sich viel getan. So beherrscht die VDR-Entwicklerversion VPS, womit Sie signalgesteuert eine gesamte Sendung aufzeichnen können, ohne dass etwa das Ende von "Wetten, dass ..." fehlt, weil Thomas Gottschalk wieder einmal überzogen hat. Leider ist VPS nicht ganz unkritisch, da es von vielen Sendern nur sehr stiefmütterlich betreut wird. So fehlen immer wieder am Anfang der Aufzeichnung einige Sekunden, weil der Sender das Running-Status-Flag, das sich hinter der VPS-Funktion verbirgt, etwas zu spät setzt. Teilweise nutzen die Sender das VPS-Flag auch rein zeitgesteuert -- und schalten es zum planmäßigen Ende einfach ab, obwohl die Sendung länger dauert. Zudem bieten nur noch wenige Sender, hauptsächlich die öffentlich-rechtlichen und die Dritten, überhaupt noch VPS an. Bei wichtigen Aufnahmen ist es daher oft besser, genügend Vor- und Nachlauf einzuplanen und später unerwünschte Teile herauszuschneiden, anstatt auf VPS zu vertrauen.
Eine andere häufig gewünschte Funktion stellt die integrierte Kanalsuche dar. Benötigte VDR 1.2.6 noch externe Programme, um eine Kanalliste zusammenzustellen, kann VDR 1.3 während des EPG-Scans neue Kanäle erkennen und hinten an die Kanalliste anhängen. Dazu müssen Sie lediglich unter Einstellungen | DVB | Kanäle aktualisieren auf Neue Transponder umstellen (Abbildung ((3))) und einige Zeit warten.
Da VDR die Kanalsuche während des EPG-Scans erledigt, kann es passieren, dass auf Systemen mit nur einer DVB-Karte keine neuen Kanäle auftauchen -- etwa weil Sie den Rechner ausschalten, wenn gerade keine Aufzeichnung läuft. VDR wartet, bis der Rechner die unter Einstellungen | EPG | Zeit bis EPG Scan (Abbildung ((4))) eingestellte Zeit inaktiv war -- also der Benutzer weder eine Taste gedrückt hat noch eine Wiedergabe oder Aufnahme läuft.
Schalten Sie jedoch -- etwa über Einstellungen | Sonstiges | Mindest Benutzer-Inaktivität -- nach 45 Minuten Inaktivität ab, kann es nie zu einem EPG-Scan kommen. In diesem Fall aktualisiert VDR das EPG nur dann, wenn Sie ohnehin auf einen Kanal des gleichen Transponders umschalten. Wenn Sie auf einem Ein-Karten-System eine Kanalsuche starten wollen, sollten Sie daher zusätzlich den EPG-Scan wie in Abbildung ((4)) gezeigt mit der roten Taste anstoßen.
In der nächsten Entwickler-Version VDR 1.3.38 will Klaus Schmidinger eine ebenfalls lang ersehnte Funktion umsetzen: VDR wird dann nicht nur den aktuell verbleibenden Festplattenplatz anzeigen, sondern auch alle bereits zum Löschen markierten, aber noch nicht entsorgten Aufzeichnungen einbeziehen. Bislang war es nötig, entweder die Verzeichnisse von Hand auf der Kommandozeile zu löschen oder VDR neu zu starten, damit VDR anschließend aufräumt.
Solche zum Löschen vorgesehene Aufzeichnungen fallen schnell in großer Zahl an, wenn Sie etwa einige Episoden einer Serie schneiden. Im Gegensatz zum herkömmlichen Filmschnitt, bei dem Sie ungewollte Passagen aus dem Film entfernen, kopiert VDR lediglich die gewünschten Teile in eine neue Aufzeichnung. Welche Teile VDR herauskopieren soll, legen Sie mit Schnittmarken fest. Dazu drücken Sie während der Wiedergabe [0], wenn der Werbeblock beginnt, und wieder [0], wenn der Film weiter geht. Mit den Tasten [7] und [9] springen Sie zur vorherigen bzw. nächsten Schnittmarke und können sie mit [4] und [6] um ein Vollbild nach vorne oder hinten verschieben. Die Taste Ok blendet währenddessen eine Zeitleiste wie in Abbildung ((5)) ein.
Die senkrechten Striche in der Zeitleiste symbolisieren die Schnittmarken, die gerade ausgewählte Schnittmarke zeigt der rote Pfeil an. Je nach dem, ob es sich um eine Anfangs- oder Endmarke handelt, befindet sich der Pfeil oben oder unten. Der Bereich zwischen einer Anfangs- und Endmarke wird später kopiert, wenn sie mit [2] die Schnittfunktion starten. VDR speichert die Kopie unter dem gleichen Namen wie das Original, stellt ihr jedoch ein Prozentzeichen voran (das eine Schere symbolisieren soll). Indem VDR die gewünschten Teile kopiert und nicht Passagen aus dem Originalmaterial entfernt, können Sie das Ergebnis prüfen und gegebenenfalls die Schnittmarken im Original korrigieren, bevor Sie am Ende das Original löschen.
Da das Löschen großer Dateien je nach verwendetem Dateisystem sehr aufwändig ist, markiert VDR die gelöschten Aufnahmen zunächst nur, indem er sie umbenennt -- sie wanderten sozusagen in einen virtuellen Papierkorb. Für jede Aufnahme legt VDR unterhalb des Video-Verzeichnisses, meist /video oder /video0, ein Unterverzeichnis mit dem Namen des Films an. Leerzeichen werden dabei durch Unterstriche ersetzt. Im Unterverzeichnis mit dem Filmtitel legt VDR nun ein Verzeichnis mit dem Aufnahmedatum an, in dem letztlich die Video-Dateien gespeichert werden. So befinden sich die Video-Dateien des Films "Basic", der am 19. November 2005 um 20:05 ausgestrahlt wurde, im Verzeichnis /video0/Basic/2005-11-19.20.05.50.99.rec. Löschen Sie den Film nun, benennt VDR das Video-Verzeichnis in 2005-11-19.20.05.50.99.del um und wartet auf einen günstigen Zeitpunkt, wenn das System nicht mit dem Aufzeichnen oder der Wiedergabe beschäftigt ist. Erst dann -- oder wenn die Festplatte vollzulaufen droht -- löscht VDR die Dateien wirklich.
In der Zwischenzeit zeigte VDR vor Version 1.3.38 falsche Werte über den noch verfügbaren Festplattenplatz an, weil lediglich der von df gemeldete tatsächlich verfügbare Platz berücksichtigt wurde. In der nächsten Entwicklerversion jedoch berechnet VDR zusätzlich die Größe der zum Löschen vorgesehenen Filme und addiert sie zum verfügbaren Platz hinzu. Das hilft besonders Anwendern, die wie wohl die meisten VDR-Benutzer an der Kapazitätsgrenze ihrer Festplatte jonglieren -- um die Timer des Folgetags aufzeichnen zu können, benötigen sie entsprechend viel Raum auf der Festplatte und entsorgen deshalb bereits gesehene oder nicht so wichtige Aufzeichnungen. Da VDR die Platzanzeige bisher nicht aktualisierte, tendierte man häufig dazu, zu viel ungesehen zu entsorgen.
Insgesamt ist VDR ein komplexes Werkzeug, dessen Grundfunktionen mit einwenig Hintergrundwissen und Logik dennoch einfach zu bedienen sind. Ob Sie sich für die bislang stabile Version 1.2.6 oder eine der Entwicklerversionen entscheiden, sollten Sie an dem von Ihnen gewünschten Funktionsumfang festmachen. Dabei dürfen Sie nicht vergessen, dass die Entwicklerversionen nach wie vor Baustellen sind, die nicht für den alltäglichen Betrieb bestimmt sind -- wenn Sie auf Nummer Sicher gehen wollen, benutzen Sie lieber die altbewährte Version 1.2.6. (mdö)
| Infos |
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[1] Video Disk Recorder VDR: http://www.cadsoft.de/vdr
[2] LinVDR 0.7: http://linvdr.org/projects/linvdr [3] Update-CD für LinVDR 0.7: http://linvdr.org/download/linvdr/beta/0.7 [4] VDR-Portal: http://vdrportal.de [5] Weitere Skins für VDR: http://vdrskins.org |
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